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O du nachhaltige …

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Es ist für viele die schönste Zeit im Jahr. Die Vorweihnachtszeit ist aber auch jene Zeit, in der viele Umweltsünden begangen werden. Folgende Tipps sorgen für mehr Bewusstheit und ein nachhaltiges Fest.

Heimlich Plätzchenteig naschen, den wohlduftenden Adventkranz binden, einen selbst gemachten Punsch trinken oder einfach nur Weihnachtsliedern lauschen: Die Vorweihnachtszeit ist definitiv etwas ganz Besonderes. Dabei sollte das Besinnliche nicht außer Acht gelassen werden. Was brauchen wir denn wirklich für ein schönes, entspanntes Fest? Und wie können wir Weihnachten nachhaltig und rücksichtsvoll im Einklang mit dem Planeten gestalten? KNEIPP hat sich auf die Suche nach Tipps gemacht, wie man die Weihnachtszeit umweltbewusster gestalten kann. Dabei muss man nicht von heute auf morgen alle seine Gewohnheiten ändern. Folgendes dient der Inspiration, um die Weihnachtszeit so zu gestalten, dass es der Familie guttut und man nebenbei ein kleines bisschen die Welt rettet. 

Die größten Umweltsünden zu Weihnachten

Ist es der übermäßige Abfall, der zur Weihnachtszeit die Natur am meisten belastet oder der Fleischgenuss? Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace, kennt die größte Umweltsünde zu Weihnachten: „Es ist allgemein der übermäßige Konsum. Wir können uns diesen Überkonsum einfach nicht mehr leisten. Dazu bräuchten wir drei Planeten.“ Panhuber spricht hierbei genauso den Kauf von Geschenken an wie den Lebensmitteleinkauf. „Der Status ‚Man muss etwas schenken‘ ist immer noch vorherrschend, in allen Schichten. Das führt zu Geschenken, die nie benutzt werden oder auch zu einem sehr hohen Lebensmittelabfall.“

Und so landet das vierzigste Computerspiel oder das noch aktuellere Smartphone unter dem Baum, ohne sich vorher zu fragen: Brauchen wir das wirklich? „Leider stellen wir hier noch kein Umdenken fest“, sagt Panhuber. Second-Hand-Geschenke sind zum Beispiel eine Möglichkeit. Auf Plattformen wie willhaben.at findet man auch Sachen, die noch nie gebraucht worden sind – das Ganze günstiger. „Ein erster Schritt in Richtung Nachhaltigkeit beginnt damit, sich zu fragen, ob man das wirklich braucht bzw. ob derjenige, den man beschenkt, das wirklich benötigt.“ Somit lieber drei Mal hinterfragen und nachdenken sowie Impulskäufe vermeiden. „Bevor Sie etwas kaufen, gehen Sie noch einmal eine Runde um den Block beziehungsweise schlafen Sie darüber“, dazu rät Panhuber. Sie sieht aber auch die Politik und die Unternehmer gefordert: „Wir brauchen hier bessere Rahmenbedingungen, um beispielsweise Produkte umweltfreundlicher und langlebiger herstellen zu müssen und Fast Fashion zu verhindern.“

In welchen Bereichen man sonst noch umweltbewusst Weihnachten feiern kann:

Reisen

Ein Kurztrip nach Paris, New York oder in den Süden: Auch hier schenken sich aufgrund der günstigen Angebote und der Reiselust viele Menschen Reisegutscheine oder fliegen zur Vorweihnachtszeit weg. „Gerade das haut die persönliche CO2-Bilanz vollkommen zusammen. Das kann man nicht mit Dingen wie Mülltrennen, Bio- statt konventionellen Lebensmitteln oder ab und zu das Auto stehen lassen ausgleichen“, sagt Panhuber.

Essen

Wie bereits erwähnt, wird zu den Feiertagen viel zu viel Essen eingekauft und vieles nicht verbraucht, sondern weggeschmissen. „Ich kann nur dazu raten, besser zu planen oder sich auch innerhalb der zu besuchenden Familie besser abzusprechen“, sagt Panhuber. Außerdem rät sie dazu, den Fleischanteil zu reduzieren. „Man muss ja nicht an jedem Feiertag Fleisch essen.“ Zu Meeresfisch rät sie ganz ab, da die Meere einfach überfischt sind. Regionaler Fisch ist die bessere Wahl. Ein ganz besonderes Augenmerk sollte man auch auf die Getränke werfen. „Wir haben festgestellt, dass die Müllberge vor allem von den Getränkeverpackungen kommen.“ Darum gilt: auf Mehrweg-Verpackungen zu achten – aus Glas oder PET. Oder Säfte, Punsch und Getränke selbst zu machen und daheim in Mehrweg-Glasflaschen zu lagern.

Der Müll von Verpackungen ist zu Weihnachten besonders viel.
Besser: Getränke selber machen und in Glasflaschen lagern, wenn möglich. (Foto: cemagraphics/istockphoto.com)

Geschenke-Verpackungen

Wenn es nicht unbedingt benötigt wird, kann man auch hier Müll einsparen. Ansonsten empfiehlt es sich, Geschenkpapier zu recyceln und für nächstes Jahr wiederzuverwenden. Oder man benutzt die Tageszeitung beziehungsweise alte Magazine, um die Geschenke zu verpacken. Alte Stoffreste, Handtücher oder recyceltes Papier sind ebenso eine umweltbewusstere Alternative. Je nach Geschenk lassen sich Kleinigkeiten auch in (Marmelade-)Gläsern oder Schuhkartons verpacken.

Christbaum

Ein Baum aus Plastik, der jedes Jahr aufgestellt wird, ein echter Baum oder ein Mietbaum: Welcher ist hier der beste? Für die Konsumexpertin ist der Fall klar: „Ein Plastikbaum ist keine Alternative, da er in der Herstellung dermaßen viele Ressourcen (Öl und Gas) verbraucht. Man müsste den Baum bis zu 20 Jahre aufstellen, damit er die gleichen Verbrauchswerte kommt wie ein natürlicher Baum. Derzeit beliebt sind auch Bäume im Topf, die man sich bei diversen Anbietern für Weihnachten mieten kann und die anschließend wieder in die Erde eingesetzt werden. „Das macht allerdings auch nur Sinn, wenn der Baum in den eigenen vier Wänden überlebt, was oft nicht der Fall ist, wenn übermäßig geheizt wird und er die Nadeln verliert.“ Letztlich zählt sowieso, woher der Baum kommt. „Kaufen oder mieten Sie einen Baum, der keinen langen Transportweg hat und greifen Sie zu einer Dekoration, die zeitlos ist und die man somit jedes Jahr verwenden kann“, sagt die Expertin. Auch hier ist Selbstgebasteltes aus Stroh oder Papier nachhaltiger.

Buchtipp

Umweltbewusst auch in der Weihnachtszeit – das gelingt mit diesen hilfreichen Tipps von Anna Brachetti, die seit acht Jahren großen Wert auf Nachhaltigkeit im Familienalltag legt. “Einfach Nachhaltig Weihnachten” zeigt, wie man ohne Verzicht nachhaltig schenken, plastikfrei verpacken, fleischreduziert kochen und so die Adventszeit bewusster und intensiver erleben kann. Durch weniger Konsum, Entschleunigung und ein friedvolles Zusammensein kommt man entspannt und achtsam durch die Weihnachtszeit. Neben Tipps und Hintergrundwissen rund um die Themen Zero Waste, Konsumreduzierung und mehr hält dieses Buch viele tolle Bastelprojekte bereit, die ganz ohne Plastik auskommen und für die stattdessen Materialien, die man ohnehin zu Hause hat, wiederverwendet werden. Rezepte für das vegane Weihnachtsmenü und köstliche vegane Plätzchen runden dieses Buch ab.

Einfach Nachhaltig – Weihnachten. Umweltbewusst durch die Weihnachtszeit – Dekorieren, backen und schenken von Anna Brachetti. Erschienen im EMF-Verlag 2020 um 8,30 Euro.

Österreichischer Kneippbund

Dem Österreichischen Kneippbund gehören heute mehr als 30.000 Mitglieder an, denen in rund 200 Kneipp-Aktiv-Clubs ein vielfältiges Gesundheitsprogramm angeboten wird. Regelmäßig erscheint zudem die Kneipp-Zeitschrift – mit vielen praktischen Tipps für mehr Gesundheit im Alltag.