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Das Gänseblümchen ist auch unter den Bezeichnungen Morgenblume, Regenblume oder Sonnenblümchen bekannt (Foto: _jure/iStockphoto.com)
Das Gänseblümchen ist auch unter den Bezeichnungen Morgenblume, Regenblume oder Sonnenblümchen bekannt (Foto: _jure/iStockphoto.com)

Gänseblümchen: zart, essbar, wohltuend

Die Blüte des Gänseblümchens (Bellis perennis) sieht aus wie eine einzige Blüte. Das sieht aber nur der Laie so. Im Grunde ist es eine Scheinblüte, die aus zahlreichen einzelnen am Rand weißen oder rosa Zungenblüten und in der Mitte gelben Röhrenblüten besteht. Der Stiel des Blütenkörbchens ist blattlos und fein behaart, die Blätter sind eiförmig bis rundlich und stumpf gezähnt. Sie stehen immer bodennah in einer Rosette. Das Blütenkörbchen richtet sich nach der Sonne. Am Abend schließt es sich. Bei Sonnenschein wird es von Bienen, Hummeln und Fliegen besucht.

Das Gänseblümchen hat sich erst mit der Entstehung der Wiesen- und Weidekultur in ganz Europa ausgebreitet. Durch das Anlegen von Rasenflächen in Gärten und Parks wurde es auch in der Stadt immer häufiger. Man sagt übrigens, dass Gänseblümchen Regen vorhersagen können. So meinte schon manch eine Großmutter: „Schließen sie ihre Augen zu, leg die Feldarbeit zur Ruh“. Tatsächlich werden die Blütenköpfe bzw. die Hüllblätter des Gänseblümchens bei ansteigender Luftfeuchte geschlossen, um die empfindlichen Blüten vor dem bevorstehenden Regen zu schützen.

Neben dem erwähnten Maßliebchen sind noch andere Namen bekannt. So kennen wir die Bezeichnungen Morgenblume, Regenblume, Sonnenblümchen, Tausendschön, Augenblümchen, Himmelsblume und Maiblume. In der Schweiz wird das Gänseblümchen auch Margrittli (kleine Margarite) genannt. Der Name Gänseblümchen kam wohl dadurch zustande, dass die Pflanze auf Arealen wächst, die früher von Gänsen aufgesucht wurden

Er liebt mich, er liebt mich nicht

Sie erinnern sich bestimmt: Die Blüten des zarten Pflänzchens hat man nicht selten als eine Art kindliches Orakel verwendet. „Er/sie liebt mich, er/sie liebt mich nicht, usw., wobei jedes Mal eine weiße Strahlenblüte ausgerissen wurde. Das letzte Blättchen verhieß dann das ersehnte Ja oder das gefürchtete Nein. Erwachsene schrieben dem Symbol für Unschuld und Reinheit ebenfalls „außergewöhnliche Fähigkeiten“ zu. So wurde die Wurzel des Gänseblümchens früher um den Hals gehängt, man glaubte, so würde das Glück einkehren. Apotheker Frank Hiepe weist auf einen weiteren Aberglauben hin: „Wer die drei ersten Gänseblümchen im Frühjahr isst, wird das restliche Jahr von Zahnschmerzen, Augenleiden und Fieber verschont.“

Hilfreich in der Volksmedizin

Die Röhrenblüten enthalten Saponine, ätherische Öle, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Schleimstoffe, Kalium, Calcium, Magnesium und Eisen. Aufgrund dieser wertvollen Inhaltsstoffe wird das Gänseblümchen in der Volksmedizin zur Appetitsteigerung, als Magen-, Galle- und Lebermittel verwendet. Auch bei Husten und Hautleiden kommen Zubereitungen der Blüten und Blätter zur Anwendung. Heute verwendet man das Pflänzchen aber nur noch vereinzelt für Heilzwecke. Dabei ist es vielfach hilfreich. 

Anwendung innerlich. Die oberirdischen Teile der Pflanze als Tee bei Hauterkrankungen, Rheuma, Leberleiden. Beliebt ist auch eine Frühjahrskur zur Entschlackung und in Kombination mit anderen Heilpflanzen zur Verhinderung der Frühjahrsmüdigkeit.

Zubereitung als Tee: 1 bis 2 TL frisches oder getrocknetes Kraut mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abgießen und täglich ein bis drei Tassen (ideal: sechs Wochen lang) trinken. 

Anwendung äußerlich. Als Tee oder verdünnte Tinktur für Auflagen zur Linderung von Schwellungen, Prellungen, Verstauchungen.

Zubereitung als Tinktur: Die ganze Pflanze einschließlich der Wurzel in ein verschließbares Gefäß geben, dann mit Weingeist übergießen und im verschlossenen Glas zwei bis sechs Wochen lang ziehen lassen. Anschließend abgießen und in einer dunklen Flasche aufbewahren.

Homöopathie. Innerlich als D3-D6 bei Beschwerden der Haut, des Stützgewebes und Bewegungsapparates, äußerlich die Urtinktur bei Verletzungen des Bewegungsapparates.

Rezept gegen Frühjahrsmüdigkeit

Rezept des Apothekers Frank Hiepe: Frische junge Brennnesselblätter, Löwenzahnblätter, Gierschblätter und Gänseblümchen mit einem Messer zerkleinern, dann in einen Mixer geben, die Blätter weiter zerkleinern, dann Milch, Orangensaft und Bananenstücke hinzufügen und kurz mixen.

Kulinarische Highlights

Blätter, Knospen und Blüten eignen sich auch hervorragend für (Wildkräuter-)Salate und Frühlingssuppen. Man kann sie aber auch gut in Spinat- und Gemüsegerichte, Kräutertopfenaufstrich und Kräuterfrischkäse mischen. Heilpflanzenexpertin Ursel Bühring empfiehlt in ihrem Buch “Blütenküche” (erschienen im Ulmer Verlag) Gänseblümchenbrot, Salat und „Germanentoast“:

~ Gänseblümchenbrot. Die Gänseblümchen dicht an dicht auf gebutterte Brotscheiben (Bauern- oder Walnussbrot) legen. Man kann das Brot mit etwas Salz oder Pfeffer bestreuen und mit einem Spritzer Zitronensaft beträufeln.

~ Salat. Gänseblümchenblätter (mild süßlich-nussig) und Löwenzahnblätter (leicht bitter) eignen sich sehr gut für einen Feldsalat. Zur Dekoration jeweils auch ein paar Blüten hinzugeben.

~ Germanentoast. Zutaten (für 2 Personen): Eine Handvoll klein geschnittene Gänseblümchenblätter, 70g Doppelrahmfrischkäse, 2 bis 3 EL Milch, 1 TL Zitronensaft, 1 zerdrückte Knoblauchzehe, etwas Salz und eine Prise Zucker, getoastetes Brot (Vollkornbaguette, Dinkel- oder Walnußbrot), 1⁄2 Tasse Blüten zum Garnieren. Zubereitung: Frischkäse mit Milch und Zitronensaft verrühren, Knoblauch und geschnittene Gänseblümchen, Salz und Zucker unterheben. Das getoastete Brot damit bestreichen und mit Blüten garnieren.

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