Zum Inhalt springen
VKI-Experte Walter Hager empfiehlt Konsumenten eine regelmäßige Überprüfung vorhandener Versicherungen und Sparformen (Foto: Zocha_K/iStockphoto.com)
VKI-Experte Walter Hager empfiehlt Konsumenten eine regelmäßige Überprüfung vorhandener Versicherungen und Sparformen (Foto: Zocha_K/iStockphoto.com)

„Gute Produkte zu finden ist schwierig“

KNEIPP: Zinserträge und Renditen sind für Sparer immer schwerer zu erwirtschaften. Zu welchen Produkten kann der Konsumentenschützer überhaupt noch raten?

Walter Hager: Im Sparbereich, d. h. auf dem Geldmarkt, gibt es aktuell kaum eine Chance, einen Kaufkraftverlust zu verhindern. Geht man von einer Inflation von langfristig zwei Prozent aus (was auch dem EZB-Ziel entspricht), werden Sparprodukte aller Art immer darunter liegen. Das war übrigens schon oft und lange der Fall. Auch in Hochzinsphasen war es äußerst schwierig, die Inflation mit Sparprodukten „outzuperformen“, weil in diesen Phasen die Geldentwertung oft höher war als der durchschnittliche Zinssatz auf Spareinlagen.

Wohin kann ich mich wenden, wenn ich eine seriöse Beratung zum Vermögensaufbau möchte und über ein durchschnittliches Einkommen verfüge?

Eine äußerst schwer zu beantwortende Frage, zumal der Markt an Spar-, Kapitalmarkt- oder Vorsorgeprodukten immens komplex geworden ist. Für einen einzelnen unabhängigen Berater, sei es Vermögensberater oder Versicherungsmakler, ist es sehr schwierig geworden, den gesamten Markt mit all seinen Produkten zu überblicken. Bei Banken und Versicherungsunternehmen selbst bekommt man ohnedies nur vorgefertigte Produkte. Dazu kommt, dass dieser Markt immer noch stark provisionsgetrieben ist. Das führt oftmals zu falschen Anreizen und Fehlentscheidungen bei der Produktauswahl.

Würden Sie heute zum Abschluss einer klassischen Pensions- oder Lebensversicherung raten?

Klassische Lebensversicherungen in der aktuellen Form sind kein taugliches Mittel für die Vorsorge. Das hängt einerseits mit dem historisch niedrigen Zinsniveau, andererseits mit den Schwächen der Lebensversicherung selbst zusammen. Hohe Kosten, kaum Transparenz und Flexibilität und das bei geringer Ertragserwartung sprechen eindeutig dafür, sich nach Alternativen umzusehen.

Welche Versicherungen machen aus Ihrer Sicht noch Sinn?

Im Bereich der fondsgebundenen Lebensversicherungen tut sich einiges. Hier hat seitens einiger Versicherungsunternehmen ein Umdenken stattgefunden. Es gibt flexible, kostengünstige und in der Veranlagung durchaus erfolgreiche Produkte. Diese zu finden ist allerdings eine schwierige Aufgabe.

Lohnt es sich, vorhandene Versicherungen und andere Sparformen regelmäßig zu überprüfen?

Das lohnt sich immer – in Zeiten wie diesen noch mehr. Auch hier gilt: nicht nur auf einen Anbieter oder Berater zu fokussieren, sondern mehrere Meinungen einzuholen und sich auch anderweitig zu informie- ren. Wir arbeiten dazu an einem Online-Tool zur Überprüfung bestehender Produkte, welches aufzeigen wird, ob eine Weiterveranlagung sinnvoll ist oder ob es Alternativen dazu gibt und wenn ja, welche Veranlagung das wäre.

Wenn Sie eine/ein 35-Jährige/r bezüglich Altersvorsorge fragen würde, was würden Sie raten? 

Wir haben unseren KONSUMENT-Pensionsrechner (www.konsument.at) entwickelt. Mit diesem erhält man einen guten Überblick, wie sich das persönliche Drei-Säulen-Modell darstellt. D. h. wie die aktuelle Situation ist und im Vergleich dazu, wie sich das Bestehende mit Pensionsantritt darstellt.

Lesen Sie auch: Sparen in Krisenzeiten

Teilen Sie diesen Beitrag