Nachts dringt lautes Schnarchen aus dem Schlafzimmer. Plötzlich wird es still, und nach Sekunden völliger Ruhe ist lautes Schnappen nach Luft zu vernehmen. Dann setzt nach einer Weile das Schnarchen wieder ein. Am nächsten Morgen erinnert sich der Betroffene an nichts, fühlt sich aber wie gerädert. Denn was nachts unbemerkt geschieht, hat tagsüber Folgen: Der Mangel an erholsamem Schlaf gefährdet die Gesundheit, da die Ursachen oft lange unerkannt bleiben. „Grundsätzlich gibt es im Schlaf Phasen, in denen man flacher atmet. Das ist völlig normal. Wenn aber dieser reduzierte Atemfluss die Sauerstoffversorgung des Körpers beeinträchtigt oder zu Stress- und Weckreaktionen führt, spricht man von einer Hypopnoe, einer Atemstörung im Schlaf“, so Dr. Stefanie Derenthal, MSc, Leiterin des Schlaflabors an der Lungenabteilung des Uniklinikums Salzburg.
„Es kann aber auch zu kompletten Atemaussetzern während des Schlafens kommen, diese nennt man dann Apnoen.“ Von dieser schlafbezogenen Atmungsstörung sind etwa 20 bis 30 Prozent der Erwachsenen in der Bevölkerung betroffen. Das ist fast jede/r Dritte! Am häufigsten ist die sogenannte obstruktive Schlafapnoe: Dabei erschlaffen die Muskeln im Rachen, die oberen Atemwege fallen teilweise oder vollständig zusammen, und die Atmung stoppt für einige Sekunden. Seltener ist die zentrale Schlafapnoe, bei der das Gehirn vorübergehend keine „Atembefehle“ aussendet.
Anzeichen der Schlafapnoe
Typische Merkmale der Erkrankung sind lautes, unregelmäßiges Schnarchen, Atempausen, plötzliches Luftschnappen und ein unruhiger Schlaf. „Viele Patienten werden von ihren Partnern zum Arzt geschickt, weil sie diese Aussetzer oder Luftschnapper bemerken“, weiß die Medizinerin. „Immer häufiger werden Betroffene durch Smartwatches auf erste Warnzeichen und Auffälligkeiten aufmerksam, etwa ungewöhnlich viele nächtliche Schlafunterbrechungen oder wiederholten Abfall der Sauerstoffsättigung.“ Leugnen lassen sich die Auswirkungen der Schlafstörungen ohnehin nicht. Die Menschen fühlen sich tagsüber oft stark müde, unkonzentriert und in ihrer Leistung eingeschränkt. „Wer lange keinen erholsamen Schlaf erlebt hat, entwickelt massive Konzentrationsschwierigkeiten. Bei monotonen Tätigkeiten führt es oft dazu, dass Betroffene einschlafen – besonders gefährlich ist der ,Sekundenschlaf‘ beim Autofahren“, beschreibt die Oberärztin mögliche Konsequenzen. Auch Kopfschmerzen am Morgen, Reizbarkeit oder depressive Verstimmungen können auftreten.
Lebensbedrohliche Langzeitfolgen
„Je länger schlafbezogene Atemstörungen wie Atemaussetzer oder starkes Schnarchen unbehandelt bleiben, desto höher ist das Risiko für Bluthochdruck und Diabetes. In weiterer Folge steigt auch die Gefahr für Herzinfarkt und Schlaganfall“, verdeutlicht die Expertin die gesundheitlichen Risiken. Dauerhafte Erschöpfung kann zudem soziale und berufliche Folgen haben. Schlafapnoe kann grundsätzlich jeden treffen, häufiger jedoch Menschen mit Übergewicht, Raucher sowie Personen mit anatomischen Besonderheiten der Atemwege. Auch Alter erhöht das Risiko, da mit zunehmenden Jahren das Gewebe schlaffer wird.
- Mittels Messung zur Diagnose. Um die Schlafstörung zu diagnostizieren, gibt es mehrere Möglichkeiten. „Man kann bei einem niedergelassenen Lungenfacharzt und mittlerweile auch schon bei vielen HNO-Ärzten eine ambulante Schlafmessung, die sogenannte Polygrafie machen. Diese misst primär Atmung, Sauerstoffgehalt, Puls und Schnarchen. Ist das Ergebnis auffällig, werden die Patienten meistens zu uns, also ins Schlaflabor, weitergeschickt“, erläutert Dr. Derenthal das Prozedere. Manche werden auch direkt in einem Schlaflabor untersucht. Hier wird ein größerer Test, die Polysomnografie durchgeführt, welche zusätzlich Hirnströme (EEG), Augenbewegungen und Muskelaktivität erfasst. So lässt sich eine Schlafapnoe sicher diagnostizieren und die passende Therapieform einstellen.
- Behandlung mit Maske. Die Standardintervention bei mittelgradiger bis schwerer Schlafapnoe ist die CPAP-Therapie, bei der eine Atemmaske die Atemwege offenhält. „Dabei wird während des Schlafens mit unterschiedlicher Druckstärke Luft in den Menschen geblasen, ähnlich wie bei einem Föhn“, beschreibt die Ärztin es anschaulich. Dieser konstante Luftstrom wirkt wie eine „Luft-Schiene“, es kommt zu keinen Atemaussetzungen mehr. Nicht jeder Patient gewöhnt sich schnell an die Maske, „aber die meisten sind begeistert, weil sie schon nach nur einer Nacht einen bedeutenden Unterschied merken und zum ersten Mal seit langer Zeit wieder richtig geschlafen haben“. Um etwaige Probleme mit der Maske oder auch einfach Fragen zur Anwendung zu besprechen, verfügt das Salzburger Schlaflabor als erstes in Österreich über eine akademisch ausgebildete Pflegekraft mit Spezialwissen im Bereich der Pneumologie, die eine eigene Ambulanz betreut.
Telemedizin als Tool
Mit der wachsenden Bedeutung der Schlafmedizin – und nicht zuletzt durch die zunehmende Nutzung von Smartwatch-Analysen – steigt auch die Zahl jener Menschen, die Auffälligkeiten erkennen und gezielt einen Termin in einem Schlaflabor suchen. Doch die Plätze der hochspezialisierten Labors sind begrenzt, es kommt zu oft monatelangen Wartezeiten. Durch zusätzliche telemedizinische Angebote besteht heute die Möglichkeit, mehr Menschen schlafmedizinisch zu versorgen. An der Lungenabteilung des Uniklinikums Salzburg können z.B. Patienten mit Schlafapnoe seit kurzem ihre Therapie digital beurteilen lassen. „Die telemedizinische Software kann auf das Beatmungsgerät zugreifen, Schlafdaten analysieren und Probleme identifizieren. Dies ist eine große Entlastung für alle.“ Die Telemedizin soll in naher Zukunft auch auf die Maskensprechstunde ausgeweitet und diese digital anbieten.
Künstliche Intelligenz (KI) hilft zudem bei der Auswertung von Schlafdaten, auch das spart Zeit und Ressourcen. Das Schlaflabor im Wiener Herz-Jesu Krankenhaus geht noch einen Schritt weiter und bietet seit 2025 neben der stationären eine vollumfangreiche telemedizinische Versorgung an. Das beginnt bei der Terminbuchung, geht über Diagnostik, Befundübermittlung und Kontrollen bis zum Telemonitoring. Auch die Polysomnografie kann zuhause durchgeführt werden. „Telemedizinische Anwendungen können das persönliche Gespräch aber nicht ganz ersetzen“, meint die Schlafmedizinerin. „Nicht jeder ist technikaffin, außerdem benötigen Personen mit Überdruck- bzw. Beatmungstherapie eine Schulung und umfassende Betreuung für ihr jeweiliges Therapiegerät.“
Blick in die Zukunft
Die Rolle der Telemedizin in der Schlafmedizin wird weiterwachsen. Erwartet wird eine stärkere Verzahnung von Schlaflabor, Hausdiagnostik und digitaler Nachsorge. So kann es einen leichteren Zugang zur Versorgung für mehr Menschen geben, Ärzte können den Therapieverlauf laufend überwachen, frühzeitig Probleme erkennen und Einstellungen rasch anpassen. Das Ziel dabei ist immer ein nachhaltig besserer Schlaf für mehr Menschen.
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