„Grundsätzlich unterscheiden sich warme Bäder in der Wirkung von kalten, indem bei den warmen Bädern eine lähmungsartige Erweiterung der Gefäße (passive Erweiterung) im Vordergrund steht, während kalte Anwendungen eine aktive Erweiterung und Durchblutung der Körperaußenteile hervorrufen.“
(Aus: „Meine Wasserkur“ Ehrenwirth Verlag München, 1954, S. 100)
Wieder einmal lässt uns Sebastian Kneipp an seiner außergewöhnlichen Beobachtungsgabe teilhaben. Ohne detailliertes medizinisches Hintergrundwissen versuchte er die körperlichen Phänomene bei der Anwendung von warmen und kalten Temperaturen zu verstehen. Tatsächlich reagiert der Körper sowohl auf Wärme- als auch auf Kälteanwendung, indem er die Blutgefäße erweitert. Das mag unlogisch erscheinen, hat aber eine ganz einfache Erklärung.
Als Basis für die hier beobachteten Reaktionen des Körpers dient bekanntermaßen unsere Wärmeregulation. Der menschliche Organismus muss seine innere Temperatur so weit wie möglich konstant halten. Jede Temperaturanwendung von außen stört sein inneres Gleichgewicht und muss unbedingt ausgeglichen werden. Sowohl Hitze als auch Kälte bedeuten daher Stress und führen zu einer sofortigen Antwort.
Bei der Wärmeanwendung soll die gesteigerte Durchblutung die von außen kommende Energie abtransportieren und im gesamten Körper verteilen. Ein heißes Bad lässt unsere Körpertemperatur gering ansteigen. Sogar ein ansteigendes Fußbad kann diesen Effekt haben. Ein heißer Wickel führt zum Schwitzen, weil der Körper dann sogar Abkühlung braucht.
Bei der Kälteanwendung soll mithilfe der verbesserten Durchblutung Wärme an den Behandlungsort gebracht werden. Deshalb ist beim Kneippen auch die Wiedererwärmung das entscheidende Kriterium für die Wirksamkeit einer Anwendung, und dafür ist nur ein kurzer Kaltreiz nötig.
In beiden Fällen reagiert der Körper aktiv, um eine größere Störung des inneren Milieus zu verhindern.
Vorsicht: Apfelform
Was die Kälteanwendung für uns Kneipper so besonders und wertvoll macht, sind die zusätzlichen Wirkungen, wie die Anregung der Wärmeproduktion im braunen Fettgewebe, die Stimulierung des Immunsystems und die Entspannungsreaktion. Alles zusammen hat stärkende, aktivierende und gesundheitsfördernde Effekte, die über die begrenzte lokale Reaktion weit hinausgehen.
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