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Asthma und COPD sind weit verbreitete chronische Atemwegserkrankungen (Foto: Cnordic Nordic/pexels.com).
Asthma und COPD sind weit verbreitete chronische Atemwegserkrankungen (Foto: Cnordic Nordic/pexels.com).

Versorgungslücken bei Asthma & COPD

Die Ergebnisse sind unzufriedenstellend: Trotzdem die Grundversorgung als solide eingestuft wird, bestehen auffällige Versorgungslücken. Hohe Ambulanzfrequenz im Krankenhaus innerhalb von 12 Monaten, anhaltender Bedarf an Notfallmedikation und starke Nutzung von Wahlärzt:innen weisen auf strukturellen Verbesserungsbedarf hin.

Mangel in der Krankheitskontrolle

Asthma und COPD sind weit verbreitete chronische Atemwegserkrankungen, die eine erhebliche gesundheitspolitische Herausforderung darstellen. Umso wichtiger ist die optimale Versorgung der Betroffenen. Diese wird von Menschen mit Asthma und COPD in Österreich grundsätzlich positiv bewertet, dennoch zeigt eine aktuelle Umfrage der Österreichischen Lungenunion (ÖLU) deutliche Hinweise auf strukturelle Schwächen im Versorgungssystem. Besonders auffällig sind die hohe Inanspruchnahme von Krankenhausambulanzen, der weiterhin beträchtliche Bedarf an Notfallmedikation sowie die überdurchschnittliche Nutzung von Wahlarztstrukturen. Die Daten legen nahe, dass trotz grundsätzlich funktionierender Versorgung bei vielen Patient:innen keine optimale Krankheitskontrolle erreicht wird.

Zwar bewerten 43,7 % der Befragten die medizinische Gesamtversorgung als „sehr zufrieden“ (entspricht bei dieser 4-stufigen Skalierung einer Zufriedenheit zw. 76-100%), weitere 49,2 % als „eher zufrieden“ (entspricht bei dieser 4-stufigen Skalierung einer Zufriedenheit zw. zwischen 51-75%). Gleichzeitig bedeutet dies aber auch: Mehr als jede zweite betroffene Person vergibt keine Spitzenbewertung – was eine Zufriedenheit über 75 % bedeuten würde. Gerade bei chronischen Erkrankungen mit dauerhaftem Betreuungsbedarf deutet dies auf relevantes Optimierungspotenzial hin.

Besonders kritisch ist die weiterhin hohe Inanspruchnahme akuter Versorgungsstrukturen: 35 % der Befragten mussten innerhalb der letzten 12 Monate eine Krankenhausambulanz aufsuchen. 19, 7 % hatten im selben Zeitraum sogar einen Krankenhausaufenthalt. Bei COPD-Betroffenen lag der Anteil der Krankenhausaufenthalte sogar bei 27,5 %. Diese Zahlen sprechen für eine erhebliche Krankheitslast und deuten darauf hin, dass viele Patient:innen in der niedergelassenen Versorgung nicht ausreichend stabilisiert werden.

Ein weiterer zentraler Befund der Umfrage: Trotz laufender Dauertherapie berichtet nur ein Drittel der Betroffenen über eine deutliche Reduzierung der Notfallmedikation. Dies deutet darauf hin, dass bei einem relevanten Teil der Patient:innen die aktuelle Therapie keine ausreichende Symptomkontrolle ermöglicht.

Versorgung durch Wahlärzt:innen wird immer wichtiger

Die Umfrage zeigt zudem eine relevante Verschiebung in Richtung privater Versorgung:

  • 21,7 % der Befragten werden ausschließlich von Wahlärzt:innen betreut

  • Weitere 6,1 % nutzen sowohl Kassen- als auch Wahlarztversorgung

  • Besonders auffällig ist dies bei COPD-Patient:innen, von denen 30 % ausschließlich im Wahlarztbereich betreut werden.

Diese Entwicklung wirft Fragen hinsichtlich Zugänglichkeit, Terminverfügbarkeit und Spezialisierung innerhalb des öffentlichen Versorgungssystems auf. Nur 40,8 % der Befragten geben an, dass ihre Ärztin/ihr Arzt Therapieentscheidungen in ausreichendem Maß gemeinsam mit ihnen getroffen haben. D.h. mehr als die Hälfte beurteilen die gemeinsamen Therapieentscheidung als unzureichend. Dabei gilt die Einbindung von Patient:innen bei der Auswahl der Therapie (Shared Decision Making bzw. Gemeinsame Therapieentscheidung) mittlerweile als zentraler Qualitätsstandard moderner Versorgung.

“Diese Analyse bestätigt Daten aus vorangegangenen Untersuchungen, die gezeigt haben, dass bei Patient:innen mit Asthma oder COPD die ärztliche Versorgung keineswegs optimal ist und Verbesserungsbedarf gegeben ist. Bei einem Großteil der Betroffenen besteht zwar eine gute Basisbetreuung, auffällig ist jedoch, dass häufig (bis zu 35 %) eine Behandlung im Spital in Anspruch genommen werden muss. Hier ist natürlich zu berücksichtigen, in welchen Krankheitsstadien sich die Patient:innen befinden bzw. wie ihre Therapietreue ist. Ebenfalls prägen soziale Faktoren, Umwelteinflüsse als auch Prävention und Früherkennung etc. das Gesamtbild der Versorgungssituation von Patient:innen mit Asthma und COPD. Es ist mir wichtig anzumerken, dass nicht nur die Ärzteschaft gefordert ist, sondern es benötigt auch die Bereitschaft der Politik, etwas verändern zu wollen. Wir müssen alles daran setzen die Versorgung der Betroffenen zu verbessern“, sagt Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Pohl, Lungenfacharzt, Generalsekretär der Österreichischen Lungenunion, Gesundheitszentrum Althietzing.

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