In Österreich hat der Skilanglauf eine bedeutende Tradition. Bereits 1911 fand hierzulande die erste Langlaufmeisterschaft statt. Heute gibt es für Wintersportler in allen Bundesländern eine große Auswahl an Langlaufloipen, was vermutlich auch zur steigenden Popularität dieser Sportart zwischen Vorarlberg und Niederösterreich beigetragen hat. Erwähnenswertes Beispiel ist Seefeld in Tirol, wo 2019 die Ski-WM stattgefunden hat. Bei sagenhaften 245 Loipenkilometern schlägt hier garantiert jedes Langläuferherz höher.
Skilanglauf ist tatsächlich eine besondere Sportart, denn in vielerlei Hinsicht unterscheidet sie sich von anderen Wintersportaktivitäten. Zunächst lässt sich dieser Sport genauso gut in der Ebene wie auch im alpinen Gelände praktizieren. Das ist für Einsteiger und Fortgeschrittene ein großer Vorteil, denn der Anfänger kann seine ersten Langlaufversuche im leichter befahrbaren Flachland absolvieren, während der Fortgeschrittene je nach gewünschter Trainingsintensität zwischen Berg und Tal variabler wählen kann als ein klassischer Skifahrer, der auf Berghänge angewiesen ist. Viele Orte bieten unweit des besiedelten Raums bereits gut ausgebaute Loipen an, womit Anfahrtszeiten im Vergleich zum Skifahren deutlich reduziert werden. So wird nicht zuletzt die Umwelt geschont.
Außerdem benötigt der Langlaufsport keine Lifte, Berg- oder Talstationen, was ebenso der Natur zugutekommt. Skilanglaufen ermöglicht es, die Natur bei moderatem Tempo in vollen Zügen zu genießen, ohne sich mit überlaufenen Pisten und dem Risiko gefährlicher Kollisionen auseinandersetzen zu müssen. Zudem frönen Langläufer einer äußerst gelenkschonenden Sportart, die beinahe die gesamte Skelettmuskulatur trainiert und etwa für Läufer eine optimale Ersatzsportart während der kalten Jahreszeit darstellt. Auf der Loipe lässt sich die Grundlagenausdauer hervorragend, aber ohne Stoßbelastung, trainieren, um dann im Frühling top vorbereitet in die Laufsaison starten zu können. Manche behaupten sogar, Langlaufen sei Meditation auf Skiern.
Vielfältige Effekte
Nachdem Schilanglauf den gesamten Körper in einer recht ausgeglichenen Weise beansprucht, profitieren Langläufer von einer breiten Palette unterschiedlicher Gesundheitsaspekte.
Muskeltraining. In wenigen Sportarten werden Arme, Rumpf und Beine derart symmetrisch trainiert, weshalb beinahe die gesamte Skelettmuskulatur vom Gleiten auf zwei Skiern profitiert. Nachdem viel bewegte Muskelmasse auch viel Energieverbrauch bedeutet, kann Skilanglaufen eine ideale Ergänzung zu sämtlichen Diätmaßnahmen sein – und das obendrein gut verträglich für die Gelenke.
Hoher Kalorienverbrauch. Weil nicht nur die Beinmuskulatur, sondern zeitgleich auch die Bauch- und Rückenmuskeln, die Arme und die Schultern beansprucht werden, ist der Kalorienverbrauch deutlich höher als beim Laufen. Bei sauberer Technik und hohem Tempo verbrennen gestandene Langläufer bis zu 800 Kalorien pro Stunde. Einsteiger begnügen sich zwar mit einem geringeren Energieumsatz, weil Technik und Tempo noch nicht so ausgefeilt sind, dafür trainieren aber auch sie ihre Muskeln auf sanfte Weise und gleiten somit effektiv einem gesünderen Lebensstil entgegen.
Kraft und Ausdauer. Da der Langlaufsport eine gut dosierte Kombination aus Kraft und Ausdauer abverlangt, wird vor allem die sogenannte Kraftausdauer trainiert. Das heißt, es werden durchschnittliche bis überdurchschnittliche Kraftanstrengungen über eine längere Zeit aufrecht gehalten. Dies stärkt die Muskulatur und kurbelt zeitgleich die Fettverbrennung stark an.
Gesundheitsbooster. Da man für gewöhnlich längere Distanzen am Stück absolviert, also lange läuft, verbessert der Langlaufsport vor allem die (aerobe) Ausdauer. Diese wiederum ist ein wichtiger Parameter für unsere Herz-Kreislauf-Gesundheit, die allgemeine Stressresistenz, Erholungsfähigkeit und Langlebigkeit (Longevity). All diese Faktoren sind auch für den Alltag abseits des Sports von hoher Relevanz, weil sie ebenso dem Risiko von Herzkrankheiten, Bluthochdruck und anderen kardiovaskulären Erkrankungen entgegenwirken.
Gelenke-Bonus. Bei richtiger Langlauftechnik werden alle großen Gelenke im Körper gut bewegt und gesund gehalten. Von den Knien über die Hüften, die Wirbelsäule, bis zu den Gelenken der Arme und Schultern – jeder Langlaufschritt tut gut.
Balance und Koordination. Wer das erste Mal auf den Langlaufskiern steht, wird sich höchstwahrscheinlich zuerst an die schmale Taillierung der Skier gewöhnen müssen. Vor allem zu Beginn bietet das Skilanglaufen daher eine sehr gute Schulung des Gleichgewichtssinnes. Durch das diagonale Bewegen von Armen und Beinen wird außerdem die körpereigene Koordination nachhaltig verbessert.
Gleitendes Meditieren
Das Erlernen des Langlaufsports kann gerade aufgrund seiner koordinativen Ansprüche herausfordernd sein, dafür eignet sich diese sanfte und umweltfreundliche Sportart für alle Altersgruppen. Da das Verletzungsrisiko und auch das Tempo relativ gering sind, kann Skilanglaufen für Kinder genauso wie für rüstige Erwachsene einen tollen Ausgleich zum Alltag bieten.
Nicht zuletzt haben die Natur und die Bewegung an der frischen Luft nachweislich positive Auswirkungen auf die mentale Gesundheit. Im weitesten Sinne ist Skilanglaufen nicht nur gleitendes Meditieren, sondern auch gleitendes Waldbaden. Die Stille des Waldes, die Konzentration auf die Bewegungsabläufe und die unmittelbare Umgebung ermöglichen es, Stress abzubauen und mithilfe einer vermehrten Serotonin-Ausschüttung („Glückshormone“) im Körper die Stimmung zu heben. Zwar kann die Wintersonne aufgrund der Kleidung kaum etwas zur körpereigenen Bildung von Vitamin D beitragen, allerdings hilft es schon, diese lediglich zu spüren. Nicht zuletzt tun die Terpene der Waldluft ihr Übriges, um positiv auf unseren Organismus einzuwirken.
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