Raben und Krähen faszinieren Menschen seit jeher. Univ.-Prof. Mag. Dr. Thomas Bugnyar vom Department für Verhaltens- und Kognitionsbiologie an der Universität Wien untersucht an diversen Forschungsstationen das Leben und die Verhaltensweisen dieser Vögel. Im Jahr 2023 wurde er zum Wissenschaftler des Landes NÖ ernannt und schrieb das Wissenschaftsbuch 2023, „Raben“.
KNEIPP: Welche Arten von Rabenvögeln gibt es?
Thomas Bugnyar: Raben und Krähen bilden die namensgebende Gattung Corvus mit mehr als 40 Arten weltweit. Zur Familie der Rabenvögel gehören etwa 120 Arten, darunter auch Elster und Eichelhäher. Zehn Arten gibt es in Österreich. Der größte Vogel ist der Kolkrabe, der bei uns eher am Land und im Gebirge anzutreffen ist.
Warum ist gerade die Geschichte der Rabenkrähen und der Nebelkrähen so interessant?
Offenbar wurden die europäischen Krähen während der letzten Eiszeit in zwei Bereiche getrennt und haben sich unterschiedlich entwickelt. Die schwarze Rabenkrähe blieb im Westen, die Nebelkrähe – auf Bauch und Rücken grau, Kopf, Flügel und Brustlatz sind schwarz – blieb im Osten. Quer durch Europa zieht sich ein Streifen, auf dessen westlicher Seite es nur Rabenkrähen gibt, östlich davon nur Nebelkrähen. Und genau in Wien stoßen die beiden Gruppen aufeinander. Hier verpaaren sie sich und ziehen ihre Jungtiere auf.
Weshalb haben sie so einen schlechten Ruf und werden mit Begriffen wie Totenvögel oder Unglücksraben bezeichnet?
Sie sind nicht gefährlich, fressen aber gerne Aas. Dabei entfernen sie meist die Augen von toten Tieren. Einst auch z. B. von Menschen, die am Galgen hingen oder während eines Krieges gestorben sind. Auch tote Pferde gehörten damals zu ihrer Nahrung.
Welche Feinde haben sie?
Vor allem Raubvögel, zum Teil auch Füchse und Marder. Bei Kolkraben sind es vorwiegend Uhu, Adler und der Mensch. Obwohl die Vögel zu den geschützten Arten zählen, werden sie leider immer wieder illegal geschossen. So erreichen von zehn Vögeln im Schnitt nur einer bis zwei das Erwachsenenalter. Jene, die es schaffen, können dann immerhin 20 bis 30 Jahre alt werden.
Woher kommt eigentlich der Begriff „Rabeneltern“?
Die Jungen sind im Nest sehr geschützt, konkurrieren aber mit den Geschwistern um Futter. Deswegen schreien sie laut, wenn die Eltern kommen, was fälschlicherweise als Vernachlässigung interpretiert worden ist.
Wie leben Krähen?
Erwachsene leben paarweise. Außerhalb der Brutzeit finden sie sich zu ihrem Schutz aber auch in Gruppen zusammen.
Rabenvögel gelten als sehr klug. Welche Fähigkeiten haben Sie tatsächlich?
Sie kommen in manchen Bereichen an die Intelligenz eines Kleinkindes oder eines Affen heran. Artgenossen, aber auch bestimmte Menschen, merken sie sich über Jahre. Auf einigen Inseln stellen Krähen Werkzeuge her, um an Futter zu kommen. Bei uns werfen sie Nüsse auf die Straße, um sie zu knacken. Manchmal werden sie auch gezielt vor Autos gelegt.
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