Schon mal was von Rolfing gehört? Mit Hilfe der manuellen Methode können Verspannungen, Schmerzen oder eine schlechte Haltung behandelt werden. Erfahrene Rolfer sprechen von „gezielter Körperarbeit und Möglichkeit, die Struktur des Körpers, die durcheinandergeraten ist, in ein besseres Gleichgewicht zu bringen“. Ziel ist es, dem Körper seine individuelle Idealform zurückzugeben. Dazu gehören aufrechte Haltung, bewegliche Gelenke, fließende Bewegungen und befreites Atmen. Entscheidend ist die Gesamtstatik und -spannung im Körper. Beide hängen im Wesentlichen vom Zustand des Bindegewebes und der Faszien ab. Oft sind sie jedoch durch einseitige Belastungen oder Bewegungsabläufe verklebt und müssen allmählich gelöst werden. Hier setzt Rolfing an. Durch Krafteinwirkung von außen kommt Bewegung in die tiefen Schichten der Haut. Man fühlt sich teilweise wie „verschoben“. Der Rolfer arbeitet dabei mit einfühlsamen Druck-Berührungen. Als Hilfsmittel dienen die Hände, aber auch Handgelenk, Unterarm und Ellbogen können zum Einsatz kommen. Um eine optimale Struktur, Haltung und Bewegungsform zu erzielen, hat sich eine Serie von zehn Sitzungen bewährt. Sie bauen aufeinander auf und werden über einen Zeitrahmen von etwa einem halben Jahr absolviert.
Manipulation des Bindegewebes
Bevor es losgeht, findet ein Vorgespräch statt, bei dem auch die Anamnese abgeklärt wird. Zunächst beobachtet der Rolfer den Klienten im Sitzen, Stehen und Gehen und analysiert den Körperbau. In den Sitzungen wird das Bindegewebe von Kopf bis Fuß systematisch „bearbeitet“, wobei die Auf- und Ausrichtung von außen nach innen erfolgt. Mit Massage hat das wenig zu tun. Rolfing ist vielmehr eine körperliche Behandlung, bei der ebenso die Selbstwahrnehmung und die Bewegung geschult werden. So soll der Organismus langfristig dazu gebracht werden, seine Fähigkeiten zur „Selbstorganisation und -heilung“ zu (re)aktivieren. Diese Methode der Körperarbeit geht auf die US-Amerikanerin Ida Rolf zurück, die die promovierte Biochemikerin in den 1940er und 1950er Jahren als „Strukturelle Integration“ entwickelte. Sie entdeckte, dass der Körper mitsamt seiner Struktur durch eine Bindegewebsmanipulation verändert werden kann.
Ein bestimmter Druck von außen hat dabei direkten Einfluss auf die Haltung. Die Schwerkraft spielt eine Schlüsselrolle. Denn „wer außer Balance gerät, befindet sich im Kriegszustand mit der Schwerkraft“, soll Rolf gesagt haben. Im Zuge ihres Studiums beschäftigte sie sich auch mit anderen Methoden, vor allem dem östlichen Yoga und der westlichen Osteopathie. 1973 gründete sie das Rolf Institute in Boulder, Colorado. Heute gibt es weltweit rund 2.200 zertifizierte Rolfer. Auch wenn Rolfing häufig bei Problemen wie chronischen Beschwerden (z. B. Migräne), Verspannungen, nach Unfällen oder OP helfen soll, stehen nicht Krankheiten im Vordergrund. Der Fokus liegt vielmehr auf der Gesunderhaltung.
Faszien im Fokus
Faszien sind zähe Bindegewebshäute, die die einzelnen Bestandteile des Organismus umhüllen. Als dreidimensionales Netzwerk geben sie Muskeln, Organen, Knochen, Gehirn und Nervensystem Halt und Orientierung. Sie bestehen vor allem aus Kollagenfasern, die für die Festigkeit und Elastizität der Muskulatur sorgen. Faszien wirken wie Stoßdämpfer und schützen gegen Verletzungen.
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