Wenn psychisch belastende Bedingungen und Situationen – etwa ständiger Leistungsdruck, soziale Stresssituationen im Job (z. B. Mobbing, Bossing, Konflikte, Überlastung, Arbeitsplatzunsicherheit) – nicht vorübergehend bestehen, sondern langfristig und unveränderlich andauern, werden sie als Stressoren bezeichnet. Diese können zu unspezifischen Aktivierungs- und Anpassungsreaktionen führen. Zudem besteht die Gefahr, dass Menschen, die keine Widerstandskraft mehr aufbringen und keine Ausgleichsmöglichkeiten entgegenzusetzen haben, psychisch erkranken oder eine bereits vorhandene Erkrankung sich verschlechtert. Bei wiederholter Belastung über längere Zeit schafft es der Körper oft nicht mehr, sich in ausreichendem Maß zu erholen.
Das führt nicht selten zu körperlichen Störungen bis hin zu Stresserkrankungen. Bei längerer oder intensiverer Einwirkung kann dies zu einem Risikozustand physischer und psychischer Erschöpfung (Burnout), zu einem Zusammenbruch der inneren Anpassungsprozesse und damit zu diversen Krankheiten führen. Arbeitsmediziner sehen außerdem einen Zusammenhang zwischen Stress am Arbeitsplatz und Suchterkrankungen, also einem exzessiven Konsum von Tabak, Alkohol, Medikamenten, aber auch Drogen. Seit der Pandemie haben sich Onlinesitzungen, aber auch Homeoffice etabliert. So viele Vorteile diese Arbeitsmöglichkeiten bieten, so haben sie auch Nachteile: Ständige Verfügbarkeit und ein Verschwimmen zwischen Privatund Berufsleben machen eine Abgrenzung schwer und führen zu mehr Stress.
Stress hat Folgen
Stress ist heute ein nahezu ständiger Begleiter im Arbeitsalltag. Nicht selten führt er zur Überlastung. Er kann sich aber auch positiv auswirken, wenn er richtig eingesetzt oder bewältigt wird, indem er uns motiviert, das Wichtige zu fokussieren und Höchstleistung zu erbringen. Doch man sollte ihn nicht unterschätzen. Denn chronischer Stress hat ernsthafte Folgen. So kann er Antriebslosigkeit und Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen verursachen. Konzentration und Gedächtnisleistung können ebenso beeinträchtigt werden, der so wichtige Schlaf kann gestört sein.
Resilienz ist hier eine wesentliche Ressource. Vom Wortstamm bedeutet Resilienz, Zurückspringen und Abprallen, elastisch federnd wie eine Spiralfeder. Es handelt sich um eine Art psychische Widerstandskraft, die es Menschen ermöglicht, trotz widriger Umstände mental und emotional stabil zu bleiben und sogar zu wachsen. In der Resilienz ist der salutogenetische Ansatz enthalten. Der Fokus wird nicht darauf gelegt, was mich krank macht, sondern, was mich gesund hält. Resiliente Mitarbeitende können leichter mit Druck umgehen, sich besser an neue Aufgaben und Arbeitsmodelle anpassen und ihre Arbeit effizienter bewältigen.
Die KAUAI-Studie
In den 1950er- und 70er-Jahren begann man sich damit zu beschäftigen, wie die Entwicklung der Kinder durch Risikofaktoren beeinflusst wird. Denn es fiel auf, dass sich einige auch nach negativen Lebensereignissen wie Krieg, Scheidung oder Tod der Eltern positiv entwickelten. In der „Kauai-Studie“, die als älteste Resilienz-Studie gilt, wurde auf der Insel Kauai auf Hawaii der komplette Jahrgang 1955 untersucht. 698 Kinder wurden dafür 40 Jahre lang begleitet. Herausgekommen ist, dass ein Drittel der Kinder unter schwierigen Umständen wie chronischer Armut, erhöhtem Konfliktpotenzial und psychischen Erkrankungen in der Familie lebten. Von dieser Risikogruppe gelang es 30 Prozent, sich trotzdem gut zu entfalten. Die anderen zwei Drittel aber entwickelten Störungen, hatten z. B. psychische Auffälligkeiten, gerieten in Konflikt mit dem Gesetz oder hatten schwere Lernstörungen.
Zusammengefasst zeigen die Ergebnisse, dass trotz herausfordernder Umstände – Armut, familiäre Probleme oder andere Risikofaktoren – viele der Kinder, die ein starkes unterstützendes Umfeld oder positive Beziehungen zu Erwachsenen hatten, ein erfolgreiches, glückliches Leben führten. Die Wissenschafter identifizierten Schlüsselmerkmale, die zu einer resilienten Entwicklung beitrugen, darunter insbesondere emotionale Unterstützung, stabile Beziehungen und positive Erfahrungen. So hebt diese maßgebende Studie einerseits die Bedeutung von Resilienz und der Rolle von Schutzfaktoren in der Kindheit hervor, und zeigt andererseits, dass nicht nur die negativen Einflüsse, sondern auch die positiven Aspekte des Umfelds entscheidend für die Entwicklung von Menschen sind.
7 Säulen der Resilienz
Diese beschreiben grundlegende Fähigkeiten, die helfen, mit Stress und Herausforderungen besser umzugehen, sich von Rückschlägen schneller zu erholen und generell resilienter zu werden – nicht nur am Arbeitsplatz.
- SELBSTAKZEPTANZ
Die Fähigkeit, die Realität anzunehmen und sich nicht gegen Unveränderliches zu wehren. Sie ist ein wichtiger Faktor für Resilienz, da sie es ermöglicht, belastende Situationen und Veränderungen anzuerkennen, anstatt sie zu verleugnen – der erste Schritt zur Überwindung von Schwierigkeiten.
- REALISTISCHER OPTIMISMUS
Eine positive Einstellung und die Überzeugung, dass man Herausforderungen bewältigen kann und dass es auch in schwierigen Zeiten Hoffnung gibt. Optimismus ist für eine starke Resilienz entscheidend, weil er befähigt, Rückschläge und Hindernisse als Chance zu sehen, sich zu verbessern und etwas zu lernen. Statt in negativen Gedanken zu versinken, richten sich optimistische Menschen positiv auf die Zukunft aus.
- AKTIVER LÖSUNGSFOKUS
Die Fähigkeit, proaktiv nach Lösungen zu suchen und kreativ mit Problemen umzugehen, statt sich auf die Schwierigkeiten zu konzentrieren.
- NETZWERKNUTZUNG
Ein gutes Gespür für die Bedeutung von sozialen Beziehungen und Netzwerken sowie das Einbinden von Unterstützung in schwierigen Zeiten hilft, emotionalen Rückhalt bzw. aktive Unterstützung zu bekommen.
- ÜBERZEUGUNG DER SELBSTWIRKSAMKEIT
Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen, um Herausforderungen zu meistern und Ziele zu erreichen.
- ZUKUNFTSORIENTIERUNG
Die Fähigkeit, sich Ziele zu setzen und positive Vorstellung von der Zukunft zu entwickeln, statt sich von Sorgen oder Ängsten blockieren zu lassen.
- VERANTWORTUNGSÜBERNAHME
Das Verlassen der Opferrolle ist entscheidend, um dadurch bewusst die Verantwortung für die eigenen Handlungen zu übernehmen und die Kontrolle über das eigene Leben zurückzugewinnen. .
Lesen Sie auch: Ständige Erreichbarkeit macht krank











