Hände können kräftig zupacken, aber auch ganz sanft berühren. Wir können mit ihnen feinste Nadelstiche setzen, aber auch einen Brotteig kneten. Wir verwenden sie zum Musizieren ebenso wie zum Sport. Schreiben, anziehen oder essen ist ohne sie nicht vorstellbar. Gerade wegen dieser täglichen starken Beanspruchung sind unsere Hände jedoch auch sehr gefährdet – sei es durch Sturz, Überlastung oder einfach durch altersbedingten Verschleiß. Auch liegen ihre vielen Sehnen, Nerven und Blutgefäße sowie die dünnen Knochen eng beieinander und – von nur wenig schützendem Muskel- und Fettgewebe bedeckt – direkt unter der Haut. So haben Verletzungen an Teilen der Hand fast immer auch große Auswirkung auf die gesamte Hand. Doch was macht unseren Händen am meisten zu schaffen?
Hohes Verletzungsrisiko
Verletzungen gehören zu den häufigsten Ursachen von Handproblemen. Etwa Handwurzel-Frakturen, Brüche der Mittelhandknochen, verstauchte oder ausgerenkte Fingergelenke sowie gerissene Bänder. Besonders häufig passieren diese beim Sport und in der Freizeit, weiß Dr. Christian Krasny, Spezialteam-Leiter für Hand- und Ellenbogenchirurgie im Orthopädischen Spital Speising in Wien. Wobei die Verletzungsmuster meist abhängig von der jeweiligen Sportart sind. „Tennis kann zu Überlastungsproblemen führen, die vor allem in der Handwurzel auftreten, bei Mountainbiken oder Skaten ist die Sturzgefahr und dadurch das Frakturenrisiko hoch, beim Schifahren ist der Schidaumen, also die Verletzung des Innenbandes des Daumens, ein gängiges Verletzungsmuster.“
Bestmöglicher Schutz
Etwa 25 Prozent aller Sportverletzungen betreffen die Hand, und doch kann mit entsprechender Prophylaxe das Risiko minimiert werden. Dr. Krasny: „Generell ist das Aufwärmen sehr wichtig sowie ein koordinativ begleitendes Training, um etwa Sturzsituationen zu vermeiden.“ Zudem gibt es Tipps für die jeweiligen Sportarten. So sind beim Boxen die Bandagen extrem wichtig, ebenso wie die Passgenauigkeit der Handschuhe, um Handwurzelschäden und Mittelhandknochenfrakturen zu vermeiden. „Beim Tennis und Golf sind die Griffgröße und Schlägerdimension von Bedeutung“, betont der Sportorthopäde. „So können die hohen Kräfte, die im Sinne des Hebelgesetztes über den Schläger übertragen werden, so gut wie möglich auf Hand und Handwurzel verteilt werden, und so etwaige Schäden an eben dieser Handwurzel vermeiden.“ Beim Schifahren geht es vor allem darum, nicht über die eigenen Verhältnisse zu fahren, um Stürze zu umgehen. „Und beim Krafttraining sorgen Manschetten, Bandagen oder Tapeverbände für eine gewisse Druckverteilung und vermitteln dem Gehirn auch sensorische Information über die Stellung des Handgelenkes im Raum, wodurch die Belastungs- und Verletzungsmuster reduziert werden können.“ Dennoch seien sie kein stabiler Schutz davor, das Handgelenk zu verdrehen oder es kurzfristig stark zu überlasten.
Abbau im Alter entgegenwirken
Neben den je nach Sportart unterschiedlichen Risiken, hat auch das Alter einen gewissen Einfluss auf die Verletzungsgefahr. Zwar sei die Überlastung in jedem Alter ähnlich, so Dr. Krasny, aber: „Jüngere Menschen neigen aufgrund ihrer idealisierten körperlichen Vorstellungen vielleicht mehr zu Überlastungen, etwa im Fitnesscenter. Im Alter kommt wiederum der degenerative Aspekt dazu – die Toleranzen der Gelenke werden geringer.“
Auch das Thema Osteoporose, also Knochenschwund, kommt bei der Hand zum Tragen. „Um diesem sowie dem Muskelschwund im Alter möglichst entgegenzuwirken, ist ein Mix aus gesunder Bewegung, Muskelaufbau in vernünftigem Rahmen und Unterstützung durch Ernährung ideal“, so der Mediziner. Da Muskeln aber nur eine steuernde Funktion haben, ist eine Kombination mit koordinativem Training besonders wichtig, um sich vor Verletzungen zu schützen. Dr. Krasny: „Das heißt, gewohnte Bewegungsmechanismen stärken und in den Vordergrund stellen und weniger neue, schwierige Bewegungsmuster einlernen – das ist wichtig, um im Alter möglichst verletzungsfrei durchs Leben gehen zu können.“ So ein Training lässt sich gut zu Hause durchführen, dazu gehört z. B.: mit einer Nadel nähen, mit einem Stift schreiben oder Obst schälen. Besonders gut ist Klavier spielen, weil es nicht nur die Finger und Handgelenke trainiert, sondern auch einen Reiz fürs Gehirn bietet. „Wenn Alltagstätigkeiten schwieriger werden, sind Ergotherapeuten die richtigen Ansprechpartner für ein unterstütztes koordinatives Training.“
„Für Diagnosestellung und individuelle Therapie gibt es verschiedene Spezialisten: Ärzte aus den Fachbereichen Sportmedizin, Traumatologie oder Orthopädie sind gute Anlaufstellen. Bei Überlastungen sind Ergotherapeuten und Physiotherapeuten die richtigen Ansprechpartner.“ Dr. Christian Krasny
Volkskrankheit Arthrose
Neben den Verletzungen sind degenerative Veränderungen das größte gesundheitliche Problem, das die Hände betrifft. „Diese Erkrankungen sind ein bisschen schicksalshaft. Manche Menschen haben einen etwas besser angelegten Knorpel, anderen einen schlechteren und entwickeln dann davon abhängig früher oder später Probleme.“ Die häufigste Erkrankung ist Arthrose, die in verschiedenen Formen in den Fingerendgelenken, den Mittelgelenken oder dem Daumensattel auftreten kann. Seltener betrifft diese das Handgelenk, dann tritt sie meist als Sekundärfolge, kombiniert mit verletzungsbedingten älteren Problemen auf. „Die Arthrose ist eine Abnützung des Gelenkknorpels. Anfangs treten die Schmerzen bei stärkeren Belastungen auf, später auch bei Alltagsbelastungen. Damit einher geht die Deformierung des betroffenen Gelenkes und damit ein zunehmender Funktionsverlust der Hand“, beschreibt der orthopädische Chirurg die Symptome.
- Behandlung: konservativ bis chirurgisch – Eine Heilung von Arthrose gibt es leider nicht, die Erkrankung lässt sich aber sehr gut behandeln. Die Therapie-Bandbreite ist groß und umfasst die Gabe von Schmerzmitteln und entzündungshemmenden Medikamenten, welche die Beschwerden lindern können, ebenso physikalische Therapie, Physiotherapie und Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln (z. B. mit Glucosamin und Contradinsulfat, also Substanzen, die im Knorpelgerüst zu finden sind). „Bei fortgeschrittenen Fällen gibt es schließlich noch viele chirurgische Möglichkeiten, die Funktion der Hand und damit die Alltagsfähigkeit wieder gut herstellen“, betont Dr. Krasny. Weiters hat er Tipps für Betroffene, die diese selbst unkompliziert umsetzen können: „Eine Ernährung in Richtung Mittelmeerdiät hat positive Effekte auf eine arthrosegeplagte Hand. Man weiß, dass ungesättigte Fettsäuren, reiche Öle, sowie Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren entzündliche Prozesse reduzieren können.“ Da bei Arthrose auch die Temperatur einen großen Einfluss auf die Symptome hat (Erkrankte entwickeln bei Kälte mehr Beschwerden), empfiehlt der Mediziner das Tragen von Handschuhen in der Übergangs- und kalten Jahreszeit. „Auch warme Bäder mit Olivenöl und Parrafinwachs erweisen sich als sehr wohltuend.“
- Prophylaxe und neue Therapieansätze. Verhindern kann man Arthrose nicht, jedoch können betroffene bzw. genetisch gefährdete Menschen möglichst Überlastungssituationen der betroffenen Gelenke vermeiden. Dr. Krasny: „Bewegung im nicht belastenden Ausmaß ist gut, aber bei Überlastung reizt man sozusagen den Löwen und kann die degenerative Komponente beschleunigen“. Neben den bekannten und wirksamen Therapien, kommen vermehrt auch innovative Behandlungen zum Einsatz. „So spritzt man etwa zur Entzündungshemmung Stammzellen bzw. aus dem Blutplasma isolierte Zellen in die Gelenke“, so der Mediziner. „Es gibt auch Bestrebungen, Zellen aus Fettgewebe zu isolieren, aufzubereiten und in das betroffene Gelenk zu injizieren.“ Diese Zellen sollen ebenfalls das Potenzial haben, entzündungshemmend zu wirken und die Heilung von geschädigtem Gewebe zu unterstützen. „Das ist aber nur ein Weg, der im Einzelfall beschritten werden kann und nichts für die generelle Behandlung“, sagt Dr. Krasny. Denn diese Therapien sind sehr kostenintensiv.
Wenn das Handgelenk leidet
- Karpaltunnelsyndrom. Wenn Finger und Daumen schmerzen, kribbeln oder sich taub anfühlen, sind das meist Anzeichen für ein Karpaltunnelsyndrom, bei dem der durch den Karpaltunnel am Handgelenk verlaufende Nerv schmerzhaft gequetscht wird. „Dieses Syndrom sieht man häufig bei Frauen postmenopausal, die Ursache dafür ist (noch) nicht klar. Auch in der Schwangerschaft kann es aufgrund hormoneller Veränderung und der häufigen Wassereinlagerungen dazu kommen“, weiß der Experte. Zudem gibt es Karpaltunnelsyndrome, die sekundär entstehen, weil sich in dem gleichen Kanal, in dem der Nerv verläuft, auch Beugesehnen befinden, die überlastungsbedingt an Volumen zunehmen können und dadurch den Nerv einengen. „Auch wenn man das Karpaltunnelsyndrom nicht auf eine bestimmte Sportart oder eine häufige Computer-Maus-Arbeit zurückführen kann, sollte man dennoch die sportlichen und beruflichen Gewohnheiten genauer unter die Lupe nehmen, um die Symptome zu reduzieren“, erklärt der Handchirurg. Das Tagen einer Schiene in der Nacht, physiotherapeutische Behandlung sowie eine Injektion von Kortison im Bereich des Karpaltunnels sind mögliche Therapieschritte. „Wenn das zu wenig ist, gibt es eine Operationsmöglichkeit.“
- Sehnenscheidenentzündung. Sie tritt ebenfalls häufig auf und ist vor allem ein Thema der Be- und Überlastung. „Das kann berufsbedingt sein, etwa durch viel Computer-Maus-Arbeit, aber auch ein Reifenmechaniker, der den ganzen Tag Reifen umstecken muss, kann betroffen sein. Weiters sind bestimmte Musiker, wie Pianisten und Gitarristen oder einige Sportler, z. B. Kletterer, häufig betroffen.“ In der Regel heilt eine Sehnenscheidenentzündung nach ausreichender Ruhigstellung, Schmerzmedikation und begleitender Physiotherapie aber wieder aus.
Info
Die Hand besteht aus 27 Knochen und mehr als 30 Gelenken. Die acht Handwurzelknochen, fünf Mittelhandknochen und 14 Fingerknochen sind durch die Gelenke mit ihren Kapseln und Bändern flexibel verbunden. Dabei hat jeder Finger drei Knochen, nur der Daumen besteht aus zwei Gliedern. Alle Finger sind über Sehnen mit den Handknochen und dem Unterarm verbunden. Gesteuert werden sie über Muskeln und Sehnen zum Beugen und Strecken, die sich größtenteils im Unterarm befinden. Die Finger können sich beugen und strecken, der Daumen kann sich auch noch drehen. Ohne ihn wäre weder Greifen noch Zupacken möglich. Trotzdem besitzt auch die Hand Muskeln. Sie arbeiten im Handteller, im Kleinfinger- und im Daumenballen und ermöglichen etwa Greifbewegungen. Die Handfläche ist durch eine robuste Sehnenplatte geschützt, die einen kraftvollen Griff erlaubt. Sowohl ihre Knochen und Gelenke als auch Sehnen, Bänder und Muskeln werden durch Nervenimpulse aktiviert.
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