Während die Familie Stemberger auf Kreislaufwirtschaft und artgerechte Tierhaltung setzt, fokussieren die Knors einen innovativen Ansatz im Pflanzenanbau. Ihre Geschichten machen klar: Bio ist mehr als ein Zertifikat – es ist eine Lebenseinstellung. Der Hof der Familie Stemberger im Defereggental wird bereits seit 1995 biologisch bewirtschaftet. Als Isabella und Bernhard ihn vor 17 Jahren von den Eltern übernahmen, stand für sie fest, dass sie diesen Weg weitergehen würden. „Für uns bedeutet Bio, dass unsere Tiere mehr Platz haben, wir weniger Antibiotika einsetzen und nachhaltiger wirtschaften“, erklärt Bernhard. Die Familie setzt zudem auf eine geschlossene Kreislaufwirtschaft: Rinder und Schweine werden direkt auf dem Hof geboren, während die Hühner im legereifen Alter von 16 Wochen dort einziehen.
Ein Tag auf dem Hof
Der Alltag beginnt früh: Bereits um 4.30 Uhr wird im Stall gefüttert und gemolken. Danach folgt die Verarbeitung der Rohstoffe – Fleisch und Milch sind die Hauptprodukte des Hofes. Während Isabella sich um die Direktvermarktung und die Kundenbetreuung kümmert, ist Bernhard für die Stallarbeit und die Organisation auf dem Hof zuständig. Die Mittagszeit ist nicht etwa eine Pause, sondern eine weitere Gelegenheit, um sich um die Tiere zu kümmern. Am Nachmittag werden Eier aus den verschiedenen Ställen geholt und Lieferungen vorbereitet. Abends folgt eine weitere Fütterung und das Melken der Tiere. „Wir arbeiten sieben Tage die Woche, aber es ist ein gutes Leben“, sagt Isabella. Die Kinder wachsen mit Tieren und der Verantwortung für die Landwirtschaft auf – eine Erfahrung, die die Familie besonders schätzt. Ihr größter Stolz? „Dass unsere Kinder Interesse an der Landwirtschaft zeigen und unsere Kunden unsere Produkte schätzen.“
Tierwohl und Nachhaltigkeit
Eine Besonderheit des Hofs ist die eigene Metzgerei. „Unsere Tiere kennen keine langen Transportwege – das macht einen riesigen Unterschied“, betont Bernhard. Die Vor-Ort-Verarbeitung der eigenen Urprodukte reduziert den CO2-Fußabdruck erheblich. „Von unseren Kunden erhalten wir durchwegs positives Feedback dafür.“ Die Rinder verbringen den Sommer auf der Alm, wo sie sich frei bewegen können und hochwertiges Futter bekommen. Dadurch bleibt die Fleischqualität hoch, und die Tiere haben ein möglichst stressfreies Leben. Die Schweine verbleiben wie die Hühner auf dem Hof und genießen dort viel Platz und frische Luft. „Alle unsere Tiere kennen nichts anderes – sie wachsen von Anfang an in diesem System auf.“ Ihre Produkte verkaufen die Stembergers im eigenen Hofladen, der nicht nur von den Gästen geschätzt wird, die die Region besuchen, sondern auch von Einheimischen. „Viele Gäste aus der Stadt wissen gar nicht, wie ein Lebensmittel entsteht. Ihnen zu erklären, was hinter einem Stück Fleisch oder einer Flasche Milch steckt, ist uns wichtig“, sagt Isabella.

Herausforderungen
Trotz aller Überzeugung bringt die Bio-Landwirtschaft auch Probleme mit sich. „Die Futtermittel sind immens teuer, aber der Endverbraucher ist nicht bereit, entsprechend mehr zu zahlen“, erklärt Bernhard. Das bedeutet, dass die Mehrkosten häufig von den Bauern selbst getragen werden. Zudem ist die Bürokratie oft eine Herausforderung. „Viele Landwirte steigen aus der Bio-Wirtschaft aus, weil die Auflagen zu hoch sind“, kritisiert Isabella. Dennoch bleibt die Familie optimistisch: „Wir hoffen, dass das Bewusstsein für biologische Lebensmittel weiterwächst.“ Ganz anders sieht die Bio-Landwirtschaft bei Sonja und Andreas Knor in Güttenbach im Burgenland aus. Sie haben sich bewusst für den biologischen Landbau entschieden, insbesondere nach der Geburt ihrer Kinder. „Wir haben uns gefragt, was wir unseren Kindern zu essen geben – und was das für die Umwelt bedeutet“, erzählt Andreas. Seitdem betreiben sie nachhaltigen Ackerbau mit einer breiten Bio-Produktpalette: von Linsen und Blaumohn über Kürbiskernöl, Sojabohnen, Wachtelbohnen, Kürbis, Erbsen, Sonnenblumen und Lupinen bis hin zu Getreide wie Weizen, Dinkel, Hafer und Gerste. „Die Vielfalt macht‘s aus.“
Im Einklang mit der Natur
Für Sonja und Andreas ist klar: „Wir arbeiten mit der Natur, nicht gegen sie.“ Der Spaten ist dabei das wichtigste Werkzeug – regelmäßig wird der Boden untersucht, um die Gesundheit der Kulturen zu kontrollieren. Unkrautmanagement ist eine große Herausforderung, denn synthetische Pestizide sind tabu. „Wir setzen auf mechanische Methoden wie Hackgeräte und Striegel. Es kostet mehr Zeit, aber es lohnt sich.“ Ein typischer Tag beginnt mit einer Morgenbesprechung, in der Arbeitsaufgaben verteilt werden. Doch oft muss spontan umdisponiert werden, denn das Wetter bestimmt den Rhythmus. „Trockenheit, Starkregen oder Überflutung – wir sind diesen Kapriolen schutzlos ausgesetzt“, erklärt Andreas. Besonders die letzten Jahre haben gezeigt, dass der Klimawandel auch in der Landwirtschaft immer stärker spürbar ist. „Früher konnten wir uns auf stabilere Wetterverhältnisse verlassen, heute müssen wir extrem flexibel sein.“
Große Verantwortung
Neben dem Ackerbau setzt Familie Knor auch auf Bio-Weidegänse. Diese kommen als Gössel (Küken) auf den Hof, werden behutsam aufgezogen und haben anschließend Zugang zu weitläufigen Weiden. „Das Wohl unserer Tiere ist uns genauso wichtig wie wirtschaftliche Aspekte – beides muss im Gleichgewicht sein“, sagt Sonja. Ihre Direktvermarktung läuft gut: Die Familie Knor beliefert namhafte Restaurants und hat viele Stammkunden. „Vertrauen ist unser größtes Kapital“, betont sie. Doch auch die Familie Knor kennt die Schattenseiten der Bio-Landwirtschaft: „Wenn das Unkraut überhandnimmt oder konventionelle Ware besser bezahlt wird als Bio-Produkte, dann stellt man sich schon Fragen“, gibt Andreas zu. Dennoch überwiegen die Erfolge: Der erste blühende Bio-Blaumohn, die Einführung von Bio-Linsen als neue Kultur oder die Auspflanzung des Bio-Weins waren für die Familie Meilensteine. „Wir haben bewiesen, dass Bio wirtschaftlich sein kann – wenn man den richtigen Weg findet.“ Für Sonja und Andreas steht fest: „Eine nachhaltige Wirtschaftsweise ist der Schlüssel zu einem gesunden Boden, hochwertigen Lebensmitteln, einer intakten Natur und artgerechter Tierhaltung.“
Zukunft der Bio-Landwirtschaft
Ob Viehhaltung oder Ackerbau – die Herausforderungen für Biobauern sind vielfältig. Klimawandel, steigende Kosten, Bürokratie und strenge Regulierungen erschweren den Alltag. Dennoch bietet die Bio-Landwirtschaft viele Chancen. „Es muss wieder etwas wert sein, was in Österreich produziert wird“, fordert Andreas Knor. „Die Menschen müssen wieder lernen, dass nicht jedes Lebensmittel zu jeder Jahreszeit verfügbar ist“, ergänzt Isabella Stemberger. Für beide Familien ist Bio nicht nur eine Anbaumethode, sondern eine Lebenseinstellung.
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