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Der Erste-Hilfe-Kurs sollte alle vier Jahre aufgefrischt werden (Foto: SHOX art/pexels.com).
Der Erste-Hilfe-Kurs sollte alle vier Jahre aufgefrischt werden (Foto: SHOX art/pexels.com).

Ich kann helfen!

Der Erste-Hilfe-Kurs im Zuge des Führerscheins ist für viele Menschen die einzige Ausbildung in puncto Rettungsmaßnahmen. Eigentlich sollte man diesen alle vier Jahre auffrischen, doch besteht dafür keine gesetzliche Verpflichtung. Folglich wird gerne darauf vergessen. Bis man eines Tages unmittelbar von einem Notfall betroffen ist. „Das Dramatische ist, dass die meisten Notfälle zuhause in der Freizeit oder beim Sport passieren“, weiß Mathias Amon, Erste-Hilfe-Ausbildner beim Österreichischen Roten Kreuz. „Das heißt, man kennt die Menschen, denen man erste Hilfe leisten muss, und das verstärkt die Aufregung.“

Schritt Eins: 144 wählen

Ob Familienmitglied, Bekannte oder doch die fremde Person in einer Notsituation, helfen muss man auf jeden Fall. „Einerseits gibt es die moralische Verpflichtung, andererseits besteht auch eine gesetzliche Pflicht, zu helfen“, erklärt Amon. „Aber keine Sorge, man muss nur jene erste Hilfe leisten, die man sich zutraut.“ Dazu gehört immer den Notruf, also 144 zu wählen. „Das ist der Telefonjoker, der bei allen medizinischen Notfällen helfen kann.“ Die geschulten Fachleute in der Leitstelle erklären Schritt für Schritt, welche Erste-Hilfe-Maßnahmen durchgeführt werden können, bis der Rettungsdienst eintrifft. „Man ist nicht alleine und das ist sehr entlastend“, so der Experte.

Nummer 1 in der Rettungskette

Ist der Notruf einmal gewählt, sollte man beim Verletzten oder Erkrankten bleiben, um seelischen Beistand zu leisten, aber auch, um einfache Hilfestellungen zu geben. Diese sogenannten Basismaßnahmen kann man, so Mathias Amon, unabhängig von der Art des Notfalls setzen. Dazu gehört die Lagerung, also die betroffene Person in eine für sie angenehme Position bringen. „Blutet jemand stark, sollte sich diese Person auf den Boden legen und die blutende Verletzung in die Höhe halten. Außerdem sollte man auf die Wunde drücken. Bekommt jemand schlecht Luft, ist ein aufrechter Oberkörper die richtige Position. Und droht jemand zu erbrechen, ist die Seitenlage zu empfehlen.“ Auch frische Luft ist eine der Basismaßnahmen. „Fenster öffnen und falls Kleidung einengt, diese nach Rücksprache lockern. Also zum Beispiel eine Krawatte, einen engen Gürtel oder hochgeschlossenen Kragen.“ Für Wärme zu sorgen, kann ebenfalls notwendig sein, beschreibt Mathias Amon die dritte Maßnahme. „Gerade verletzte oder kranke Personen haben häufig ein Problem mit dem Wärmehaushalt und können trotz warmer Temperaturen frieren. Man kann sie mit einer Decke, Jacke, einem Pullover oder der Alu-Rettungsdecke aus dem Erste-Hilfe-Kasten zudecken.“ Ist es draußen heiß und die Sonneneinstrahlung hoch, kann man mit Hilfe einer Decke auch für Schatten sorgen.

Beistand in der Not

Ein entscheidender Faktor ist schließlich die psychische Betreuung. „Geht man als Ersthelfer auf die betroffene Person ein, kann diese mit ihrer Situation viel besser umgehen“, weiß der Erste-Hilfe-Experte. „Dazu gehört, sie zu fragen, wie es ihr geht, was man für sie tun kann und zu informieren, dass der Rettungsdienst schon verständigt wurde. Wenn man es sich zutraut und die Situation es erlaubt, kann man auch Informationen für den Rettungsdienst sammeln, etwa ob es Vorerkrankungen gibt. Das Wichtigste ist, für die Person in Not da zu sein.“

Kein Zögern beim Wiederbeleben

Ein besonderer Notfall tritt ein, wenn eine Person bereits reglos ist und nicht oder nicht normal atmet. „In diesem Fall muss man sofort mit der Wiederbelebung, also der Herzdruckmassage, beginnen“, appelliert Amon. „Es gilt: Jede Hilfe ist besser als keine Hilfe.“ Schließlich beginnen bereits nach drei Minuten ohne die nötige Sauerstoffzufuhr unwiderruflich Gehirnzellen abzusterben. Die Rettungsleitstelle 144 gibt Erste-Hilfe-Anweisungen, wie man helfen kann. Die Basis ist jedoch einfach: „Wiederholt schnell und kräftig auf die Mitte des Brustkorbs drücken“.

Defi: Leben retten

Mittlerweile gibt es auch an vielen Standorten in Österreich Defibrillatoren, allein in Wien sind bereits mehr als 1.000 solche Geräte im öffentlichen Raum, etwa in Öffi-Stationen, verfügbar. Die kompakten Geräte sind leicht zu bedienen und erzielen große Wirkung.

Die Überlebenschancen steigen durch rasches Handeln von Ersthelfern mit einem Laien-Defibrillator von 20 auf 70 Prozent. „Ist eine zweite Person am Notfallort, beginnt eine mit der Herzdruckmassage, während die zweite mit 144 telefoniert und den Standort des nächsten Defi erfährt“, erklärt Amon das richtige Vorgehen. Bei der Anwendung kann man nichts falsch machen, das Gerät gibt genaue Anweisungen. Nach dem Auftragen der KlebeElektroden analysiert der Defibrillator automatisch den Herzrhythmus der reglosen Person, die nicht normal atmet, und zeigt an, ob ein Schock erforderlich ist. Nach etwa sieben bis 15 Minuten wird der Rettungsdienst eintreffen und übernehmen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Egal, ob Haushaltsnotfall, Freizeitunfall oder Atem-KreislaufStillstand, die wichtigste Botschaft lautet: „Man kann nichts falsch machen, außer nichts zu tun!“

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