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Besonders wohltuend ist ein langfristig regelmäßiges digitales Detoxing (Foto: SolStock/iStockphoto.com).
Besonders wohltuend ist ein langfristig regelmäßiges digitales Detoxing (Foto: SolStock/iStockphoto.com).

Ich bin dann mal offline

Unser Alltag ist von der digitalen Welt geprägt. Kinder und Jugendliche wachsen damit auf, kennen nichts anderes. So viele Vorteile das hat, so darf man die Schattenseiten nicht außer Acht lassen. Denn wir tendieren dazu, die echte, analoge Kommunikation zu verlernen, und die Gefahr ist, sich in der virtuellen Welt des World Wide Web zu verlieren. Das schafft nicht selten Stress, aber auch Einsamkeit und Isolation. Wir sind einerseits ständig erreichbar, andererseits fehlt sehr oft der persönliche Kontakt von Mensch zu Mensch. Viele kommunizieren nur mehr über WhatsApp, und die persönlichen Gespräche bleiben auf der Strecke. Gleichzeitig entsteht aber auch Stress durch permanente Erreichbarkeit und Verfügbarkeit, aber auch durch das häufige Konsumieren von Informationen und Nachrichten, von Videos, Fotos und Chat-Beiträgen. Das Zappen durch die virtuelle Welt, ausufernde TV- und Streamingplattformen-Nutzung sowie diverse Computerspiele erhöhen die Suchtgefahr enorm.

Eine repräsentative Studie des Bundesverbandes für digitale Wirtschaft kam zu dem Ergebnis, dass die Nutzung von Smartphones von Jahr zu Jahr intensiver wird. Männer verbringen im Schnitt täglich knapp 1,5 Stunden nur in Social Media Apps, bei Frauen sind es sogar schon knappe zwei Stunden.

Was heißt Digital Detox?

Der Begriff Digital Detox bedeutet übersetzt so viel wie „digitale Entgiftung“ und bezeichnet den kompletten Verzicht auf digitale Medien für einen bestimmten Zeitraum. Das Ziel ist, die Rückkehr ins Hier und Jetzt und weg von dem Zwang, Mails, Messengers und soziale Medien checken zu müssen, weg von künstlichen Bildern der virtuellen Welt und hin zum echten Leben, um sich der Umgebung, den Mitmenschen oder auch einfach einem Buch – einem haptischen, wo die Seiten beim Umblättern rascheln – zuzuwenden. Das Ziel ist, auf ständige digitale Erreichbarkeit und Vernetzung zu verzichten und dadurch Stress zu reduzieren und das eigene Wohlbefinden zu verbessern.

Wie lange Smartphone, Tablet und Laptop letztendlich ausgeschaltet bleiben, entscheidet jeder für sich selbst. Wer sich aber ausreichend von der digitalen Welt erholen will, sollte laut Experten eine Auszeit von einer Woche nutzen. Und keine Sorge: Auch kleine Detox-Pausen sind in Ordnung, gerade wenn es Beruf oder Privatleben kaum anders zulassen. Grundsätzlich sollten Sie jedoch versuchen, während des Digital Detox so wenig Zeit wie möglich im digitalen Raum zu verbringen, auch wenn es anfangs schwerfällt (und sogar ein Gefühl von innerer Unruhe und Stress verursachen kann). Es empfiehlt sich, vorab auch das persönliche Umfeld darauf vorzubereiten. Haben Sie Angehörige, mit denen ein regelmäßiger Kontakt notwendig ist, dann könnten Sie ein Zeitfenster vereinbaren, in dem Sie erreichbar sind.

Scheinbare Leere

Dass das alles einer umfassenden Änderung der Gewohnheiten bedarf, ist klar. Denn diese vermeintlich kleine Veränderung betrifft viele Lebensbereiche. Wer von uns zückt nicht in bestimmten Situationen sein Smartphone? Beim Warten auf dem Bahnsteig, im öffentlichen Verkehrsmittel, manche leider auch im Auto, oder wenn die Begleitung im Lokal kurz aufs WC verschwindet. Immer öfter wird das Handy herausgefischt, um Nachrichten zu checken oder durch soziale Medien zu surfen. Wie Raucher in bestimmten Situationen Zigaretten anzünden, greifen die meisten von uns in Zeiten des scheinbaren Leerlaufs zum Smartphone und ziehen sich Neuigkeiten hinein. Wir halten die scheinbare Leere nicht aus, dass wir Phasen in unserem Leben haben, in denen es angesagt ist, nichts zu tun und einfach nur in die Luft zu schauen. Es ist oft die unbewusste Angst, etwas zu versäumen, oder dass Gedanken kommen könnten, die belastend sind. Handy & Co. „helfen“ auch beim Verdrängen von vielleicht nicht so angenehmen Lebensrealitäten.

Welche Nachteile gibt es?

Sie sind in dieser Zeit nicht erreichbar für Ihr Umfeld, weder privat noch beruflich. Das kann einen Stressfaktor darstellen. Ein weiterer Nachteil sind fehlende Informationen. Sie bekommen von der Außenwelt viel weniger mit. Was aktuelle Geschehnisse betrifft, müssten Sie auf Zeitungen ausweichen. Auch ist der Zeitaufwand dadurch größer, da Sie statt Onlinebanking in die Bank gehen müssen, und wenn das Onlineshopping wegfällt, sind Sie auf Geschäfte und Öffnungszeiten angewiesen. Da empfiehlt sich, die notwendigen Aktivitäten vor der digitalen Auszeit zu erledigen. Die Nachteile halten sich allerdings in Grenzen, wenn Sie Genanntes in Ihre Vorabplanung einbeziehen.

Gewinn durch Verzicht

Besonders wohltuend ist – quasi für Fortgescrittene – ein langfristig regelmäßiges digitales Detoxing. Auch das kann gelingen: Am besten legen Sie, nach Ihrer Detox-Testphase bestimmte Zeiten fest, in denen Sie E-Mails checken oder sich in die sozialen Medien einklinken. Durch diese zeitliche Eingrenzung verhindern Sie, dass Sie in Ihre alten Gewohnheiten zurückfallen. Es kann auch hilfreich sein, sich zu Hause technikfreie Zonen zu schaffen, also im Schlafzimmer sowieso, aber auch z. B. im Essbereich. Gewöhnen Sie sich an, langsam und genussvoll ohne Tablett oder Handy zu esspeisen. Sie werden dadurch einen neuen Lebensgenuss entdecken, und der Gesundheit ist es auch förderlich.

Über mehrere Tage keine digitalen Medien zu nutzen, kann – für viele unerwartet – eine große Herausforderung sein. Doch die Vorteile überwiegen eindeutig. Es ist ein Gewinn durch Verzicht und Sie reduzieren dadurch Stress, fördern Ihre Kreativität, kommen zu mehr Erholungsphasen und stärken Ihre Gesundheit. Nicht zuletzt bietet Digital Detox eine Chance, einige Tage den Fokus auf sich selbst, die liebsten Mitmenschen, auf Tiere und Natur und das Leben rundum zu richten. Und dadurch eine neue Lebensqualität zu erfahren.

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