Hochverarbeitete Produkte drängen immer mehr in unseren Essensalltag. Ohne uns selbst aus der Verantwortung zu nehmen, die Lebensmittelindustrie weiß genau, was sie uns am besten verkaufen kann. Es geht in erster Linie um einen intensiven Geschmack. Nicht von ungefähr strotzen die meisten industriell hergestellten Nahrungsmittel vor Salz, Zucker, Fetten, künstlichen Aromen und Zusatzstoffen. All das, soll uns zum Essen und Mehressen verleiten. Auch ist es kein Geheimnis, dass Lebensmittelwerbung speziell auf hochverarbeitete Produkte abzielt. Denn hier liegen für Hersteller und Handel die größten Gewinnmargen.
Tückische Zutatenlisten
Aber was wird uns alles aufgetischt? Ein Blick auf die meist sehr klein gedruckte Zutatenliste eines Produkts gibt größtenteils Aufschluss. Die erste Orientierung bietet die Reihung der einzelnen Bestandteile. Je weiter vorne angeführt, desto höher der Anteil im fertigen Produkt. Der Anteil an wertbestimmenden Zutaten muss sogar prozentuell angegeben sein. Zum Beispiel, wie viel echtes Vollkorngetreide für ein Vollkornprodukt verwendet wurde. Was wir hingegen gar nicht erfahren ist, welche Enzyme, Hilfsstoffe und Aromen bei der Herstellung verwendet wurden. Diese tausenden Substanzen machen eine industrielle Massenproduktion erst möglich und werden vielfältig eingesetzt. Trotzdem müssen sie für den Konsumenten nicht deklariert werden! Problematisch ist auch, dass diese „geheimen“ Zutaten, so gut wie immer, mit Hilfe von Gentechnik gewonnen werden. Da aber gentechnisch veränderte Organismen nicht selbst, sondern nur ihre Stoffwechselprodukte verwendet werden, ist hier eine gesetzliche Kennzeichnung nicht vorgesehen.
High-Tech und Ressourcen
Klassische Methoden der Verarbeitung, wie Einsalzen, Fermentieren oder Säuern, kennt man seit Jahrtausenden. Diese dienten in erster Linie zur Vorratshaltung. Anders sieht es in der modernen Lebensmittelverarbeitung aus, die ständig neue und aufwendigere Verfahren entwickelt. Beispielsweise Hochdruck, Ultraschall oder verschiedene Impulstechniken, um noch leistungsfähiger und günstiger produzieren zu können. Inwiefern Technologien dieser Art Nahrungsmittel auch negativ verändern können, ist Gegenstand von regen Fachdiskussionen. Feststeht, dass die industrielle Herstellung von Nahrungsmitteln im Vergleich zu einer regionalen, saisonal angepassten und nachhaltigen Kreislaufwirtschaft Unmengen an Ressourcen, wie Boden, Wasser und Energie, verschlingt.
Fatale Bequemlichkeit?
Natürlich hat das Ganze für uns Konsumenten auch Vorteile. Zum Beispiel zeitsparende Convenience- und Fertigprodukte, die man rasch und unkompliziert zubereiten kann. Speziell in der Systemgastronomie und Gemeinschaftsverpflegung ein wichtiger Punkt. Oder, dass wir als Gewohnheitsesser am besten überall unsere standardisierten Lieblingsprodukte vorfinden:
Vegane Produkte sind meist hochverarbeitet, darunter Käseimitate, Fleischersatz, Milchalternativen und texturiertes Soja. Ebenso fruchtig-bunte Smoothies, alternative Süßen, wie Birkenzucker oder Stevia oder die große Auswahl an Crispies, Loops und Crunchies für den Frühstückstisch. Und sogar die meiste Babyfertignahrung fällt unter ultraprozessierte Lebensmittel.
Natürlich darf kein Nahrungsmittel die Gesundheit absichtlich schädigen. So schreibt es auch das Gesetz vor. Und doch: Hochverarbeitete Nahrungsmittel können nicht gesund sein. Denn es fehlt ihnen viel zu oft an Mikronährstoffen, esenziellen Fettsäuren und den so wichtigen bioaktiven Pflanzenstoffen. Gleichzeitig können durch die industrielle Verarbeitung unerwünschte Stoffe ins Produkt gelangen, wie z. B. arteriosklerosefördernde Transfette oder das nachweislich krebserzeugende Acrylamid. Vor allem Transfette, die in Keksen, Fertigpizzen, Mehlspeisen und zahlreichen anderen Fertigprodukten vorkommen, sind maßgeblich an Herzkreislauferkrankungen beteiligt. Zusätzliches Problem: Die Produkte sind nicht gekennzeichnet, ob sie Transfette beinhalten oder nicht.
Zuviel kann krank machen. In wissenschaftlichen Erhebungen zeichnet sich ein immer deutlicheres Bild ab: Ein hoher Anteil an hochverarbeiteten Produkten in der Ernährung erhöht das Risiko für typische Wohlstandserkrankungen. Allen voran Adipositas und Diabetes, aber auch Herzkreislauferkrankungen und auch Depressionen. Statistisch lässt sich sogar eine erhöhte Sterblichkeit ableiten. Ein besonders fataler Trend ist, dass die Ernährung vieler Kinder und Jugendlicher fast nur noch aus hochprozessierten Produkten besteht.
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