„Frägt man, ob man die Bäder im Freien oder zuhause nehmen soll, so lautet die Antwort: Es ist gleich, wenn nur das Wasser recht kalt ist. Ich habe meine ersten Bäder alle in der Donau genommen, und ich habe 10 Minuten weit zur Donau gehabt. (…) Ich wusste mir nicht anders zu helfen, als in die Donau baden zu gehen. Dass ich damals in dieser Noth war, gilt mir heute noch als eine besondere Fügung der Vorsehung. Ich habe dabei gefunden, dass mir jedes Mal wärmer war beim Nachhausegehen als während der Wanderung zur Donau.“
(Quelle: „Zweiunddreißig Vorträge des hochw. Herrn Pfarrrers Sebastian Kneipp über Krankheiten und Heilkräuter nebst einer ausführlichen Biographie“ von Friedrich Mayer, Druck und Verlag des kath. Pressvereines, Linz 1891, Seite 59)
Vorträge von Sebastian Kneipp waren schon zu seiner Zeit berühmt und ein Anziehungspunkt für zahlreiche Besucher. Meist schilderte er seine Erlebnisse und Erfahrungen. Hier beschreibt er seine Empfindungen nach einem kalten Bad in der Donau, als er mit den Wasseranwendungen begann. Die körpereigene Wärmeproduktion war sofort stark angeregt, sodass er sich danach wärmer fühlte als vorher.
Aktivierungsgrad
Wie wir wissen, dauerten Kneipps Bäder in der Donau nicht lange. Auf den ersten Blick würde man ihn für einen Winterschwimmer halten. Dem war nicht so, denn er blieb jeweils nur einige Sekunden im Wasser. Trotzdem können wir alle leicht nachempfinden, dass es dafür eine gewisse Überwindung gebraucht hat! Meiner Meinung nach spielt dies für den positiven Effekt auch eine wichtige Rolle. Freiwillig gewählte Herausforderungen zu meistern, setzt im Körper andere Verarbeitungsprozesse in Gang als eine Bedrohung abzuwenden, die unerwartet über uns hereinbricht. Unsere innere Einstellung gegenüber einer schwierigen oder unangenehmen Aufgabe lenkt den Aktivierungsgrad unseres Nervensystems in eine bestimmte Richtung. Ist die Herausforderung gemeistert, beginnt die Entspannungs- und Erholungsphase umso besser und schneller.
Die Wiedererwärmung erfolgt nach einem Kaltreiz durch vermehrte Durchblutung und die Aktivität des braunen Fettgewebes. Sie wird zusätzlich verbessert durch Muskelarbeit, denn diese verstärkt den Effekt der Kreislaufreaktion. Anschließend legte sich Kneipp in seinem Zimmer ins Bett und hielt eine Nachruhezeit ein. Mit jedem kalten Bad konnte er so sein Wärmeregulationssystem trainieren und durch Entspannung seinen Organismus im Kampf gegen seine schwere Erkrankung unterstützen.
Kaltes Wasser ist als kleine (oder größere) Herausforderung für uns genauso immer wieder eine Wohltat.
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