„Fast sämtliche meiner Tees und Extrakte, Öle, Pulver rühren von früher geachteten, spottbilligen Heilkräutern her. (…) Lange Jahre hindurch habe ich sondiert und geprüft, getrocknet und zerschnitten, gesotten und gekostet. Kein Kräutchen, kein Pulver, das ich nicht selbst versucht und als bewährt befunden habe!“
(Quelle: Meine Wasserkur, 1954, Franz Ehrenwirth Verlag KG, München, Seite 143)
Sebastian Kneipp ist in der Tat etwas Besonderes. Lange bevor Ethnobotaniker begannen, den Heilkräuterschatz der Volksmedizin in unseren Breiten systematisch zu erheben, stellte der „Kräuterpfarrer“ aus Schwaben einen Grundstock der wichtigsten und gebräuchlichsten Heilpflanzen seiner Umgebung zusammen. Er hielt seine Empfehlungen schriftlich im Buch „Meine Wasserkur“ fest. Dies tat er, eigenen Angaben zufolge, um die Wasserkur zu unterstützen und zu erleichtern.
Mutter und Klöster
Wir können heute davon ausgehen, dass Kneipp schon von seiner Mutter Wissen über Heilpflanzen
vermittelt bekam. Dies entspricht der uralten Tradition der Volksheilkunde, Erfahrungen und Praktiken
mündlich weiterzugeben. Meistens unterrichtete die Mutter oder Großmutter die Nachkommen, weibliche
Mitglieder einer Familie waren häufig mit dem Kräuterwissen vertraut. Es gab aber auch männliche Kräuterkundige, denn in landwirtschaftlich geprägten Gegenden waren ärztliche Behandlungen für Menschen und Tiere schwer erreichbar und selten leistbar. Verschriftlicht wurden diese Kenntnisse praktisch nie, da damals kaum jemand dazu in der Lage war. Unsere Informationen über die Heilkräuteranwendungen aus früheren Zeiten stammen fast ausschließlich aus Kräuterbüchern, die in Klöstern immer wieder abgeschrieben und so für die Nachwelt bewahrt wurden.
Intuition und Anwendung
Der heute übliche wissenschaftliche Zugang, der nur überprüfbare und nachweisbare Fakten als gültig
anerkennt, war zu Kneipps Zeiten gerade erst im Entstehen. Damals hatte Erfahrungswissen mehr Gewicht. Mittlerweile konnte die Forschung viele der Kräuter, die aus Erfahrung gegen bestimmte Leiden
eingesetzt wurden, in ihrer Wirksamkeit bestätigen. Was Kräuterkundige früherer Zeiten durch Intuition
und langjährige Anwendung an Wissen erwarben, kann heutzutage sehr oft wissenschaftlich bewiesen werden. Leider gibt es noch nicht über alle Heilkräuter verlässliche Studien. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass Forscher in Zukunft noch viele interessante Beweise der Wirkungen von traditionellen
Heilpflanzen bei den verschiedensten Erkrankungen erbringen werden.











