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Man sagt nicht umsonst „Essen ist der Sex des Alters“ (Foto: Adrienn/pexels.com).
Man sagt nicht umsonst „Essen ist der Sex des Alters“ (Foto: Adrienn/pexels.com).

„Glücksmomente und Ersatzsex“

Das Thema Essen beschäftigt die meisten Menschen ein Leben lang nahezu täglich. Warum ist das so?

Schon ein Baby erfährt über Nahrungsaufnahme sein Überleben, aber auch Geborgenheit und Zuwendung. Hunger hingegen macht (Todes-)Angst. Kleinkinder werden über Essen auch belohnt: „Wenn du brav bist, bekommst du Schokolade.“ Außerdem ist Essen als Glücksquelle immer verfügbar. Wer aber ständig daran denkt, leidet in der einen oder anderen Art an einer Essstörung.

Welche Essstörungen gibt es?

Grundsätzlich gibt es zwei Formen: Esssucht, Ablehnung von Essen und viele Zwischenformen. Zur Esssucht gehört z. B. „binge eating“ – exzessives Essen, wobei im Gegensatz zur „Bulimie“ im Anschluss kein Erbrechen ausgelöst wird. Im Unterbewusstsein ist gespeichert: „Essen tut mir gut“. Aber nachher kommen Schuldgefühle, Scham und oft auch Zorn auf sich selbst. Bei der Ablehnung von Essen ist die Nahrungsaufnahme negativ besetzt. Möglicherweise gab es in der Kindheit belastende Erfahrungen, wie z. B. ständigen Streit der Familie bei den Mahlzeiten, oder bestimmte Schönheitsideale dominieren die Gedanken. Dazu zählt die Magersucht als selbstzerstörerisches Verhalten. Dann gibt es noch „Orthorexie“: Betroffene beschäftigen sich übermäßig mit gesunder Ernährung und halten sich strikt an selbstgesetzte Ernährungsregeln. Diese Beschäftigung nimmt sehr viel Zeit in Anspruch und wirkt sich negativ auf viele Lebensbereiche aus. Der Übergang von auffälligem zu krankhaftem Essverhalten ist oft fließend.

Ist die gedankliche Beschäftigung mit Essen in den verschiedenen Lebensabschnitten unterschiedlich?

Man sagt nicht umsonst „Essen ist der Sex des Alters“. Beides stellt teilweise eine orale Befriedigung dar, und wenn das eine nicht mehr so funktioniert, wird aufs andere zurückgegriffen. In jüngeren Jahren bedeutet Essen Glücksmomente, es können aber schon heimliche Vorstufen für eine Essstörung vorliegen.

Wir kennen auch „Ernährungsbiographie“. Was ist damit gemeint?

Das beginnt mit der Frage, ob das Baby gestillt wurde und inwieweit die Mutter dabei emotional beteiligt war. Auf welche Weise sie selbst sich ernährt hat, aber auch, wie die Eltern die weitere Nahrungsaufnahme des Kindes beeinflussen, ist entscheidend für den gesamten Lebensweg.

Sie haben u. a. Programme zur Gewichtsabnahme entwickelt, die auch Hormone, Nährstoffe und die Psyche berücksichtigen…

Ein natürlich schlanker Mensch steckt in uns allen und der hat ein gesundes Verhältnis zum Essen. Er isst, wenn er Hunger hat, und diesem Menschen will ich wieder einen Platz geben. So eine Person wird sich nicht täglich übermäßig Gedanken darüber machen. Ich verwende u. a. die Traumatherapie, Mentaltraining und einen „Notfallkoffer“ mit Tricks gegen den inneren Schweinehund, da man für dauerhaften Erfolg die Psyche berücksichtigen muss.

Lesen Sie auch: Warum ist Essen so emotional?

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