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Aus vielen Samen und Blüten giftiger Pflanzen können Arzneimittel gewonnen werden.
(c) Pexels

Giftpflanzen und ihre heilende Wirkung

Giftpflanzen begegnen uns häufiger, als wir denken: als Zimmerpflanzen, als Zierpflanzen im Garten und als wild wachsende Kräuter und Sträucher auf der Wiese und in den Wäldern. Trotz ihrer oft tödlichen Wirkung ist die Gefahr jedoch eher überschaubar: Wer nicht grob fahrlässig unbekannte Blätter oder Samen verzehrt, hat im Normalfall nichts zu befürchten. Besondere Vorsicht ist aber natürlich bei Kleinkindern geboten, die oftmals dazu neigen, alles Mögliche verkosten zu wollen.

Die Giftpflanzen sind jedoch nicht nur dazu da, um unsere Natur gefährlicher zu machen und Stresssituationen für nervöse Eltern zu erzeugen, sondern können uns teilweise sogar nutzen. In geringen Dosen eingesetzt, gibt es durchaus einige Kräuter mit heilender Wirkung. Da dabei die Grenzen zwischen gesundheitlichem Nutzen und tödlicher Dosis oft minimal sind und der Wirkstoffgehalt der Pflanzen stark schwanken kann, dürfen solche Heilmittel aber ausschließlich von erfahrenen und dazu ausgebildeten Ärzten und Pharmazeuten erzeugt werden. Bei der Erzeugung von Heilmitteln werden außerdem meist Extrakte oder isolierte Reinstoffe verwendet, die nur in Labors hergestellt werden können und bei denen die Dosis exakt bestimmt werden kann. Selbstversuche mit Tees, Hustensäften oder Tinkturen können lebensgefährlich sein!

Blauer Eisenhut (Aconitum napellus)

Der Blaue Eisenhut gilt als giftigste Pflanze Europas. Dennoch wird er auch zu Heilzwecken eingesetzt.
Der blaue Eisenhut zählt zu den giftigsten Pflanzen Europas. (c) Pixabay

Der Blaue Eisenhut ist ebenso schön wie tödlich: Die Pflanze, die bis zu 2 Meter hoch werden kann, zählt zu den giftigsten Pflanzen Europas. Bereits nach dem Verspeisen von nur 2 Gramm der Wurzel oder anderen Pflanzenteilen tritt für gewöhnlich nach rund 45 Minuten der Tod ein. Schon bei Hautkontakt entfaltet das Gift seine Wirkung und führt zu Brennen, Kribbeln und Taubheitsgefühlen. Früher wurde das Gift – vor allem der Wirkstoff Aconitin – häufig zur Behandlung von Schmerzen eingesetzt. Botaniker und Giftkräuterexperte Helmut Zwander weiß: „Noch heute gibt es Aconitum-Schmerzöl, das in der Apotheke erhältlich ist.“ Auch in der Homöopathie spielt der Blaue Eisenhut eine Rolle.

Roter Fingerhut (Digitalis purpurea)

Das Gift des Fingerhuts steckt in vielen Herzmedikamenten.
Tödlich und heilend zugleich: der Fingerhut (c) Pixabay

Auch der Rote Fingerhut kann bis zu zwei Meter hoch werden und ist vor allem in Wäldern und im Gebirge zu finden. Seinen kelchartigen Blüten verdankt er es, dass er oft als Zierpflanze genutzt wird – allerdings sind alle Pflanzenteile des Fingerhuts hochgiftig. Die im Gift enthaltenen Herzglykoside Digitoxin und Digoxin wirken sich stark auf das Herz-Kreislauf-System aus. Bei einer Überdosierung (bereits beim Verschlucken kleinster Mengen von etwa zwei bis drei Blättern möglich) führt das zu schweren Herzrhythmusstörungen und im schlimmsten Fall zu einem Kreislaufversagen. Genau die Wirkung auf den Herzrhythmus ist es aber auch, die das Gift des Fingerhuts für den medizinischen Bereich interessant macht. Bis heute wird es bei Herzinsuffizienz und bestimmten Herzrhythmusstörungen eingesetzt – allerdings wird es mittlerweile vorwiegend aus dem Wolligen Fingerhut gewonnen.

Herbst-Zeitlose (Colchicum autumnale)

Die Herbst-Zeitlose wird oft mit anderen Pflanzen verwechseln.
Die giftige Herbst-Zeitlose wird oft mit Bärlauch verwechselt.

Die Herbst-Zeitlose ist eine hochgiftige Pflanze, bei der Verwechslungsgefahr mit Bärlauch oder Maiglöckchen besteht. Im Frühling wachsen nämlich nur die Blätter, nicht jedoch die krokusähnlichen Blüten der Herbst-Zeitlose; die Blüte ist erst im Spätsommer bzw. Herbst zu sehen. Alle Teile der Pflanze enthalten das Gift Colchicin, gegen das es bislang noch kein Gegenmittel gibt. In Maßen eingesetzt ist das Toxin der Herbst-Zeitlose aber ein wertvoller Bestandteil vieler Medikamente: Es ist stark entzündungshemmend und hilft daher bei akuten Gichtanfällen. Auch beim genetisch bedingten Familiären Mittelmeerfieber gehört das Gift der Herbst-Zeitlose zur Standardmedikation, um Fieberschübe vorzubeugen.

Tollkirsche (Atropa belladonna)

Die Tollkirsche sorgt europaweit für die meisten Vergiftungen durch Pflanzen.
Die verlockenden Beeren der Tollkirsche sollte man besser nicht essen (c) Pixabay

Die „Wunderwirkung“ der Tollkirsche ist bereits seit Jahrhunderten bekannt. Früher wurde der Saft der giftigen Pflanze dazu verwendet, um die Pupillen zu erweitern, was dem damaligen Schönheitsideal entsprach. Zudem wurde die schwarze Beere aufgrund ihrer halluzinogenen Wirkung geschätzt. Allerdings ist große Vorsicht geboten: Bei Erwachsenen können bereits 10 Kirschen, bei Kindern schon 3 bis 4 Kirschen zum Tod durch Atem- und Herzstillstand führen.
Auch heute ist die Tollkirsche noch im Einsatz, vor allem aufgrund des Wirkstoffs Atropin, der in der Augenheilkunde nach wie vor zur Pupillenerweiterung eingesetzt wird. Auch zur Anregung des Herzschlags, als Gegengift bei Vergiftungen mit Organophosphaten sowie bei Koliken ist das Gift von „Belladonna“ im Einsatz. Der zweite in der Tollkirsche enthaltene Wirkstoff, Scopolamin, ist in Medikamenten gegen Reiseübelkeit enthalten.

Efeu (Hedera helix)

In allen Teilen giftig, aber als Heilpflanze bei schleimigem Husten bekannt: Efeu
Efeuextrakte werden als schleimlösendes Mittel bei Husten genutzt. (c) Pixabay

Die beliebte Kletterpflanze Efeu, die gerne an Bäumen und Häusern wuchert, ist in allen Teilen giftig. Vor allem die Beeren, die Efeu erst nach vielen Jahren ausbildet, enthalten eine hohe Konzentration an Falcarinol. Falcarinol, ein ungesättigter Alkohol, soll in geringen Mengen antibakteriell, entzündungshemmend und krebsvorbeugend wirken; in größeren Mengen führt er jedoch zu Durchfall, Krampfanfällen und Kreislaufproblemen. Ebenfalls im Efeu enthalten sind Triterpensaponine. Sie wirken entzündungshemmend und cholesterinsenkend. Giftkräuterexperte Helmut Zwander weiß: „Besonders gefragt sind die Triterpensaponine der Blätter gegen Erkältungen.“ Ein bestimmtes Triterpensaponin wirkt schleimfördernd und krampflösend und hilft daher bei Husten und Erkrankungen der Atemwege. Äußerlich aufgetragen, sollen Produkte mit Efeu eine schöne Haut fördern.  

Arnika (Arnica montana)

Auch die Heilpflanze Arnika ist leicht giftig.
Auch die Heilpflanze Arnika ist leicht giftig.

Kaum jemand weiß, dass auch die beliebte Heilpflanze Arnika zu den giftigen Pflanzen zählt – allerdings im Vergleich zu Fingerhut, Tollkirsche und Co. zu den eher harmlosen Varianten. Wird sie roh verzehrt, kommt es aufgrund ihres Giftstoffs Helenalin zu Erbrechen, Durchfall und Herzbeschwerden. Im Normalfall wird der Korbblütler als Salbe, Gel oder Tinktur bei Prellungen, Blutergüssen und entzündeter Haut angewandt. Vorsicht ist nur bei offenen Wunden geboten: In diesem Fall sollten keine Arnikapräparate aufgetragen werden, da sie Hautreizungen verursachen können.

Was tun bei Vergiftungen?
Sollte man nach dem Verzehr unbekannter Pflanzen einen Verdacht auf eine Vergiftung haben bzw. Vergiftungssymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Kreislaufprobleme haben, bitte sofort den Notruf 144 (österreichische Rettung) oder 112 (Euro-Notruf) wählen. Bei leichteren Symptomen oder für Beratungen steht der Vergiftungsnotruf 01 406 43 43 (rund um die Uhr erreichbar) zur Verfügung. Nach Möglichkeit sollte man angeben, um welches Gift es sich handelt, welche Mengen zu sich genommen wurden, Angaben zur vergifteten Person machen (Größe, Gewicht, Alter etc.) und auch die Art des Giftkontakts (verschlucken, Hautkontakt etc.) beschreiben. Die österreichische Vergiftungsinformationszentrale kann weitere Auskünfte geben.

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