Viele Viren gelangen über Mund, Nase oder Rachen in den Körper. Deshalb ist die Immunabwehr an diesen Schleimhäuten besonders wichtig. Entscheidend sind dabei nicht nur Antikörper im Blut, sondern auch Immunzellen direkt vor Ort. Eine zentrale Rolle spielen sogenannte Gewebe-residente Gedächtnis-T-Zellen. Sie bleiben nach einer Infektion im Gewebe zurück und können bei erneutem Kontakt mit demselben Erreger rasch reagieren.
Das Team von der Universitätsklinik für Dermatologie der MedUni Wien untersuchte Blut- und Mundschleimhautproben von gesunden Personen, die kurz zuvor eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht hatten. Mithilfe moderner Einzelzellanalysen und räumlicher Untersuchungen wurde sichtbar, welche Immunzellen in der Mundschleimhaut vorhanden sind und mit welchen Nachbarzellen sie in Kontakt stehen.
Die Studie zeigt: Vor allem bei T-Zellen, die mit SARS-CoV-2 und dem Epstein-Barr-Virus in Verbindung gebracht wurden, fanden sich viele Gedächtniszellen direkt in der Mundschleimhaut. Diese Zellen lagen nicht zufällig im Gewebe, sondern standen in enger räumlicher Beziehung zu Fibroblasten und dendritischen Zellen. Fibroblasten sind Stützzellen des Gewebes, dendritische Zellen gehören zur Immunabwehr und helfen dabei, Erreger zu erkennen und Immunantworten zu steuern. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Mundschleimhaut nicht nur eine mechanische Barriere ist. Sie ist auch ein aktiver Immunraum, in dem Gedächtniszellen langfristig erhalten werden können“, sagt Studienautor Florian Winkler von der Universitätsklinik für Dermatologie der MedUni Wien.
Künftige Impfstrategien
Die Forscher:innen fanden Hinweise darauf, dass die Nachbarzellen den Gedächtnis-T-Zellen wichtige Signale liefern. Diese könnten dazu beitragen, dass die Zellen im Gewebe bleiben und dort funktionsfähig bleiben. Das ist besonders relevant, weil solche Zellen bei einer erneuten Infektion rasch reagieren könnten. „Für künftige Impfstrategien ist es wichtig zu verstehen, wie stabile Immunität direkt an Schleimhäuten entsteht. Unsere Studie liefert dafür neue Hinweise am Beispiel der Mundschleimhaut“, sagt Studienleiterin Johanna Strobl von der Universitätsklinik für Dermatologie der MedUni Wien.
Die Autor:innen weisen darauf hin, dass die Studie mit einer kleinen Zahl an Personen durchgeführt wurde. Weitere Untersuchungen sind daher notwendig, um die beschriebenen Mechanismen zu bestätigen. Die Ergebnisse liefern dennoch wichtige Einblicke in die Frage, wie langfristige Immunabwehr an Eintrittsstellen von Viren aufgebaut und erhalten werden kann.
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