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Liebe, die bleibt: Daran muss man arbeiten.
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Eingeschlafene Beziehung: Was tun, wenn‘s fad wird?

Rund zwei Jahre hält die erste Phase der Verliebtheit an, bei der wir den Partner durch die rosarote Brille sehen, nicht genug von ihm bekommen können und die Schmetterlinge noch tanzen. Was in den meisten Fällen danach folgt, ist der schleichende Prozess des Alltagslebens: die Gespräche drehen sich um Einkäufe und die Arbeit, romantische Gesten und Momente werden seltener, jeder lebt sein eigenes Leben. An sich ist das nichts Schlechtes – denn mit dem gemeinsamen Alltag beruhigt sich auch das Gefühlschaos der ersten Verliebtheitsmonate, man lernt sich besser kennen und die Beziehung kann dadurch auch stabiler und sicherer werden. Dennoch vermissen viele die aufregende erste Zeit und beginnen sich zu fragen: Ist das noch Liebe – oder nur noch Gewohnheit? Und was kann man tun, um die Gefühle wieder neu zu entfachen? Wir haben bei Sonja und Andreas Reindl angeklopft und um Tipps zur Wiederbelebung der Beziehung gebeten. Die beiden haben sich im südoststeirischen Bad Gleichenberg mit ihrem PuraVida Beziehungsatelier auf Paarberatung und Paarcoaching spezialisiert. Als Paar kennen sie den Blick aus beiden Perspektiven und bieten u. a. praktische Übungen und Impulse zur Selbsthilfe, entweder direkt vor Ort in ihrer Praxis oder auch in Form von Online-Beratungen.

Was sind denn Ihrer Erfahrung nach die häufigsten Probleme in einer Beziehung?

Andreas: Die Frage klingt zwar echt einfach, ist aber sehr schwer zu beantworten, weil die Probleme sehr vielfältig und individuell sind. Wir bemerken derzeit – vor allem bei jüngeren Paaren – auch einen Trend, zu uns zu kommen, bevor wirkliche Probleme auftreten. Also die Leute wollen von Anfang an aktiv daran arbeiten, eine gut funktionierende, verständnisvolle Beziehung zueinander aufzubauen. Paare ab einem Alter von ca. 40 Jahren kommen mit unterschiedlichen Problemen zu uns, aber tatsächlich werden Alltag und das Auseinanderleben eigentlich am häufigsten thematisiert.

Warum ist das so?

Sonja: Es ist ein großes Phänomen, dass vielen Leuten immer alles andere wichtiger ist als die Beziehung. Man lebt ein wenig mit dem Gedanken, dass die Beziehung eh automatisch nebenbei mitläuft. Wenn man zu wenig Zeit hat, stehen die Arbeit, die Kinder oder andere Familienmitglieder oft mehr im Fokus und dann wird als erstes die Pärchenzeit gestrichen.

Ich hätte eigentlich eher auf Affären und Seitensprünge als Hauptgründe für die Paarberatung getippt.

Aus für die Liebe? Ist Gewohnheit ein Beziehungskiller?
(c) Pexels

Andreas: Seitensprünge und Affären sind oft eine Folge dieses Auseinanderlebens. Das hängt mit dem Wunsch zusammen, wahrgenommen und gesehen zu werden. Wenn eine Beziehung zu sehr vom Alltag dominiert wird, geht die Wertschätzung füreinander oft verloren – und die holt man sich dann eben bei einem anderen Menschen. Das erste Anzeichen für dieses Auseinanderleben ist oft die Langeweile in einer Beziehung. Und spannenderweise sind es fast immer die Frauen, die das als erstes merken.

Haben Frauen das feinere Gespür für die Beziehung?

Andreas: Im Allgemeinen machen sich Frauen mehr Gedanken und setzen sich auch mehr mit der Beziehung und ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen auseinander. Männer steuern dagegen oft irgendein Ziel in der Zukunft an und verlieren dabei die Sichtweise auf die Ist-Situation.

Sonja: Frauen sind auch mehr auf das „Wir“ ausgerichtet als Männer. Männer erkennen daher oft erst recht spät, dass in der Beziehung irgendetwas nicht mehr stimmt.

Abgesehen von den großen Klassikern wie mangelnde Romantik und seichte Gesprächsthemen: Gibt es auch subtile Anzeichen dafür, dass es an der Zeit wäre, die Beziehung wieder stärker zu fokussieren?

Andreas: Richtige Anzeichen sind da schwer zu nennen, es ist eher ein Gefühl, dass in der Beziehung etwas nicht mehr passt. Man kann dabei auf Kleinigkeiten achten: wie wertschätzend man miteinander umgeht, ob das gegenseitige Interesse noch da ist oder ob man sich die Erzählungen des Partners nur noch aus Höflichkeit anhört usw. Anfangs ist man noch neugierig, da möchte man alles vom Partner wissen. Später lässt dieses tiefe Interesse dann oft nach. Aber es lässt sich nicht messen, ab wann wirklich Handlungsbedarf besteht.

Sonja: Paare dürfen ja auch für sich selbst entscheiden, wann es für sie passt und wann nicht mehr. Nur weil die Nachbarn oder Freunde eine andere Form der Beziehung haben und damit glücklich sind, muss es nicht für einen selbst passen. Eine Beziehung kann sich auch über Jahre hinweg ändern. Einiges wird tiefer, einiges ist nicht mehr so intensiv wie am Anfang – und trotzdem kann die Beziehung liebevoll und harmonisch sein. Wichtig ist, sich dabei regelmäßig gegenseitige Updates zu geben. Denn man selbst verändert sich ja auch immer und der Partner weiß das nicht alles automatisch, auch wenn viele das glauben.

Sie haben es ja auch schon angesprochen: Ein großes Thema ist die gegenseitige Wertschätzung. Wie kann ich die wieder herstellen, wenn sie verlorengegangen ist?

Andreas: In jedem von uns stecken verschiedene Anteile. Manche Anteile schätzen wir am anderen, für andere haben wir weniger Verständnis. Aber es gibt eigentlich immer Anteile, die wir schätzen, und das müssen wir uns wieder bewusst vor Augen führen.

Sonja: Vieles wird mit der Zeit selbstverständlich. Daher ist es wichtig, sich darüber wieder bewusst zu werden, was der andere eigentlich alles für mich macht und wie er mich unterstützt. Wir empfehlen da immer eine klassische Übung mit drei schönen Dingen: Am Ende jedes Tages notiert man sich drei schöne Dinge. Erstens, was mir am Tag gefallen hat, zweitens, was mir an mir selbst gefallen hat, und drittens, was mir am Partner gefallen hat. Und da gibt es immer irgendetwas, das besonders schön war. Das Gehirn beginnt dabei automatisch, tagsüber nach schönen Dingen zu suchen, weil wir am Abend ja etwas Schönes notieren müssen. So können wir trainieren, wieder das Positive zu sehen. Und ein Nebeneffekt ist, dass wir wieder Lob und Anerkennung für den Partner haben.

Ein gebrochenes Herz muss nicht sein, wenn man aktiv an der Beziehung arbeitet.
(c) Pexels

Haben Sie noch weitere Tipps, um eine eingeschlafene Beziehung wieder aufzuwecken?

Andreas: Eines der wichtigsten Dinge ist definitiv die Kommunikationsarbeit. Dabei geht es vor allem auch darum, dem Partner aufmerksam zuzuhören und herauszufinden, was er braucht. Oft machen wir den Fehler, gleich auf einen Vorwurf zu warten und im Geiste schon darüber nachzudenken, was wir entgegnen oder wie wir uns rechtfertigen können. Dabei überhören wir vieles, was gesagt wird – auch Positives. Und am Ende ist der vermeintliche Vorwurf vielleicht auch gar kein Vorwurf und wird nur von uns so aufgefasst.

Sonja: Auch das Aussprechen von eigenen Gedanken und Gefühlen ist wichtig, um den Partner wirklich an der eigenen Welt teilhaben zu lassen – nicht nur durch oberflächliche Gespräche über Beruf und Alltag. Und es sollte natürlich auch Paarzeit geben, wobei vor allem die Qualität und nicht die Quantität eine Rolle spielt. Auch bei Zeitmangel oder wenn gerade kleine Kinder im Haushalt leben, kann man als Paar kleine Momente im Alltag schaffen. Ein Beispiel ist, sich vor dem Schlafengehen noch einmal 10 Minuten auszutauschen und dabei wirklich konzentriert auf den anderen einzugehen, ohne Handy, ohne Fernseher nebenbei.

Oft genügen kleine Aufmerksamkeiten, um dem Partner zu zeigen: Du bedeutest mir etwas.
Oft genügen kleine Aufmerksamkeiten (c) Pixabay

Andreas: Das Stichwort lautet „Inselmomente“. Manche denken, dass es genügt, zwei Wochen pro Jahr gemeinsam auf Urlaub zu fahren, und dann kann man die restlichen 50 Wochen wieder nebeneinander herleben. Aber man braucht wirklich regelmäßig gemeinsame Inselzeiten, etwa ein Paarabend pro Woche oder zumindest eine Paarstunde, gemeinsam einmal einen Spaziergang zu machen, ein Glas Wein in gemütlicher Atmosphäre zu trinken usw.

Sonja: Und kleine Dinge füreinander tun, wobei jeder Partner seinen Beitrag dazu leisten sollte. Das muss nichts Großes sein. Oft genügt es schon, auf dem Heimweg einfach eine Blume zu pflücken und den Partner daheim damit zu überraschen. Meist geht es nicht um das Geschenk an sich, sondern um das, was es aussagt: Ich habe an dich gedacht und auch, wenn wir räumlich voneinander getrennt sind, sind wir uns nah.

Online findet man noch zahlreiche weitere Tipps, wie man wieder mehr Schwung in die Beziehung bringen kann. Gibt es auch Ratschläge, die Sie eher kritisch sehen bzw. die Ihrer Erfahrung nach kontraproduktiv sind?

Andreas: Es kann auch sein, dass der Partner gestresst von der Arbeit nach Hause kommt und erst einmal kurz ankommen möchte, und man selbst hat eine unglaublich hohe Erwartungshaltung, was man jetzt alles angehen möchte. Da ist es hilfreich, sich vorher einmal anzusehen: Was braucht der Partner, wenn er nach Hause kommt? Vielleicht möchte er erst einmal 15 Minuten lang ankommen.

Sonja: Das sollte man auch bei Überraschungen bedenken. Aber das ist natürlich auch immer individuell.

Andreas: Zu den No-gos gehört auch, dem anderen die Welt erklären und ihm seine eigene Sichtweise aufdrängen zu wollen. Auch in einer Partnerschaft darf man unterschiedliche Sichtweisen haben.

Sonja: Und darauf sollte man auch achten, wenn man neue Pläne für die Beziehung hat. Also die Beziehung kann ich nicht damit beleben, dass ich einfach das durchsetze, was mir Spaß macht. Es muss für beide passen und auch für den anderen das Richtige sein.

Andreas: Unser Tipp lautet da oft, ein Glas über Wochen hinweg mit Wünschen und Ideen für die gemeinsame Beziehungsgestaltung zu füllen. Und wenn das Glas voll ist, schaut man sich die Sammlung gemeinsam durch und schaut, was für beide passen könnte. Man muss dann nicht alles gleich umsetzen, aber man bekommt dadurch ein gutes Gespür dafür, was sich der andere eigentlich wünscht und vorstellt.

Sonja: Man muss auch aufpassen, dass man nicht einfach etwas macht, was der andere früher immer gern gemacht hat. Menschen entwickeln sich weiter und vielleicht passt diese „Überraschung“ jetzt gar nicht mehr. Und dann ärgert man sich vielleicht noch drüber, dass sich der andere nicht richtig gefreut hat, weil er es ja früher immer gern gehabt hat. Das zeugt vom Stillstand des gegenseitigen Interesses, denn dann ist die Entwicklung des Partners an mir vorübergegangen.

Jetzt haben wir lange von der Wiederbelebung der Beziehung gesprochen. Gibt es Ihrer Meinung nach auch einen Punkt, wo es sinnvoller ist, eine eingeschlafene Beziehung gar nicht mehr aufzuwecken, sondern besser gleich zu begraben?

Andreas: Diesen Ratschlag geben wir eigentlich nie. Das muss das Paar immer für sich selbst entscheiden. Wir raten generell zum genauen Hinschauen und auch dazu, den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen zu vertrauen.

Sonja: Wenn eine Person das Gefühl hat, egal was der andere sagt und tut, es kommt nicht mehr bei mir an und ich will das auch gar nicht mehr, dann ist es vermutlich eher an der Zeit, getrennte Wege zu gehen. Aber wie Andreas schon gesagt hat, muss das jedes Paar letztendlich selbst entscheiden.

Die Paartherapeuten Andreas und Sonja Reindl haben sich mit ihrem Pura Vida Beziehungsatelier in der Südoststeiermark auf Beziehungsprobleme spezialisiert.

Zur Person
Sonja und Andreas Reindl bieten mit PuraVida Beratung und Coaching für starke Beziehungen an. Sonja Reindl ist ausgebildete Aufstellungsleiterin, diplomierte Lebens- und Sozialberaterin, Meditations- & Achtsamkeitstrainerin. Andreas Reindl bringt als WKO-zertifizierter Experte für Paarberatung und systemische Aufstellungsarbeit seine Expertise für mehr Liebe in der Beziehung mit.

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