„Der Essig ist sicher eines der ältesten Hausmittel, durch welches unsere Vorfahren in Hunderten von Fällen sich zu helfen wussten. Ich kann mich selbst noch erinnern aus meiner Jugendzeit, wie oft Essigwaschungen und Essigüberschläge angewandt wurden. Der Essig hatte aber nicht bloß als Hausmittel eine hohe Bedeutung, sondern wurde und wird heute noch verwendet zur Zubereitung der Nahrungsmittel; und es ist gut, wenn man weiß, welchen Wert er in jeder Beziehung hat.“
(Quelle: Meine Wasserkur – So sollt ihr leben, Die weltberühmten Ratgeber in einem Band, 2004, Karl F. Haug Verlag, S. 101)
In der Tat ist die Gewinnung von Essig aus Wein, Obstsäften oder Bier ein Wissen, das bereits im Altertum bekannt war. Man geht davon aus, dass Essigbakterien schon bei den alten Ägyptern den guten Wein in sauren Essig verwandelten, wenn Luft dazugekommen war. Hippokrates empfahl Essig bei Erkrankungen der Atemwege und Verdauungsbeschwerden. Römische Soldaten tranken, um gesund zu bleiben, ein Gemisch von Wasser und Essig, das „Posca“ genannt wurde. Im Mittelalter galt Essig als besonders geeignet, um Kräuterauszüge herzustellen. Neben der Beschreibung der vielen günstigen Wirkungen des Essigs ist bei Sebastian Kneipp auch ein Rezept für die Herstellung eines Gärungsessigs zu Hause nachzulesen.
Heute wissen wir, dass ein saures Milieu für Haut und Schleimhäute im Körper eine entscheidende Schutzfunktion darstellt. Dort leben Milchsäurebakterien, die im besten Fall eine Barriere gegen das Eindringen von Krankheitserregern bilden. Ein Schuss Essig im Wasser für die kalte Waschung verschiebt den pH-Wert in den leicht sauren Bereich und unterstützt so die natürliche Hautfunktion und das dort befindliche Mikrobiom.
Leichte Proteinverdauung
Der saure Geschmack fördert auch die Speichelproduktion, er lässt uns „das Wasser im Munde zusammenlaufen“. Das wirkt einerseits appetitanregend, andererseits verdauungsfördernd, denn im Speichel sind bereits Verdauungsenzyme enthalten. Besonders proteinreiche Nahrungsmittel brauchen ausreichend Magensäure, damit die Eiweiße in ihre Bestandteile zerlegt werden können. Ein Schuss Essig erleichtert die Proteinverdauung.
Die Inhaltsstoffe von Heilkräutern werden im Essig für den Körper verfügbar gemacht. Die im Gärungsessig enthaltene Bakterienvielfalt bereitet die gesundheitsfördernden sekundären Pflanzenstoffe auf und macht sie leichter resorbierbar. Kräuteressige sind also nicht nur ein tolles Geschmackserlebnis, sondern können die gesunde Ernährung sinnvoll unterstützen.
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