Zum Inhalt springen
Tanzen hält Körper und Geist beweglich (Foto: Adrian Gonzalo/pexels.com).
Tanzen hält Körper und Geist beweglich (Foto: Adrian Gonzalo/pexels.com).

Der Körper tanzt, die Seele lacht

Tanzen heilt: sanft, ganzheitlich und nachhaltig. Das weiß Wei-Ken Grosmann-Liao aus eigener Erfahrung. Der international erfolgreiche Musicaldarsteller, Choreograf und Tanzpädagoge leitet das inklusive Tanzzentrum YouCanDance in Wien – ein Ort, an dem sich Bewegung, Musik und seelisches Wohlbefinden auf eindrucksvolle Weise verbinden. „Tanzen hat mein Leben gerettet“, sagt er und meint das keineswegs metaphorisch.

Grosmann-Liao wurde 1986 in Wien als Sohn chinesisch-stämmiger Eltern geboren. Sportlich war er nie. Erst eine Autoimmunerkrankung in der Jugend brachte die Wende: „Ich musste mich plötzlich deutlich mehr bewegen“, erinnert er sich. Der Zufall führte ihn in eine Tanzschule. Und was als therapeutische Maßnahme begann, wurde zur Leidenschaft. Er durchlief sämtliche Tanzstile, gewann Staats- und Europameistertitel im Showdance, stand in Musicals wie West Side Story, Aida oder A Chorus Line auf der Bühne und wurde mit dem Deutschen Musiktheaterpreis ausgezeichnet. Heute gilt er als einer der erfolgreichsten Musicaldarsteller. Sein größter Erfolg? Dass er heute Menschen bewegt – nicht nur körperlich, sondern auch emotional. „Tanzen ist ein Ventil – für aufgestaute Emotionen, für Stress, für Unsicherheit“, sagt Grosmann-Liao. In seinem Studio tanzen Zehnjährige neben 85-Jährigen, Menschen mit Demenz mit Musicalprofis, Rollstuhlfahrer mit Tanzanfängern. Es geht nicht darum, wie es aussieht, sondern wie es sich anfühlt. Der Tanz erlaubt Ausdruck ohne Worte, das Loslassen innerer Spannungen, das Spüren des eigenen Körpers. Für viele ist Tanzen der erste Schritt zurück zu sich selbst: ein nonverbaler Zugang zu verdrängten Gefühlen, eine Brücke zwischen Kopf und Körper. Gerade in unserer reizüberfluteten, leistungsorientierten Zeit kann Tanz ein Gegenpol sein – voller Leichtigkeit, Präsenz und Sinnlichkeit.

Die Wissenschaft tanzt mit

Dass Tanzen weit mehr ist als bloße körperliche Betätigung, belegen zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen. Eine der bekanntesten stammt vom Albert Einstein College of Medicine in New York:
Über 21 Jahre hinweg wurden Freizeitaktivitäten und deren Auswirkungen auf die mentale Gesundheit
untersucht. Das Ergebnis: Regelmäßiges Tanzen senkt das Risiko, an Demenz zu erkranken, um bis
zu 76 Prozent. Das ist mehr als jede andere getestete Aktivität, einschließlich Lesen oder Radfahren. Doch Tanz wirkt nicht nur präventiv gegen kognitive Erkrankungen. Eine aktuelle Studie, veröffentlicht im Journal of Health Psychology (2025), zeigt: Schon eine einzige Tanzsession von 20 Minuten kann das subjektive Stressniveau signifikant senken, und zwar stärker als ruhiges Sitzen oder kontrolliertes Atmen. Ergänzend dazu berichtet das Netzwerk „Neurologen und Psychiater im Netz“, dass sich Tanztraining positiv auf die Stimmung, Stressverarbeitung und das Körperbild auswirkt – insbesondere bei Menschen mit depressiven Symptomen oder hohem Stresslevel. Der Hintergrund: Tanzen aktiviert mehrere Hirnregionen gleichzeitig, darunter jene für Bewegung, Balance, Rhythmus, Gedächtnis und Emotion. Diese zeitgleiche Reizung verbessert die sogenannte Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, neue Verbindungen zu knüpfen. Zudem stärkt Tanz das Herz-Kreislauf-System, fördert die Koordination und kurbelt die Ausschüttung von Glückshormonen wie Endorphinen und Dopamin an.

Mit YouCanDance hat Grosmann-Liao gemeinsam mit seinem Geschäftspartner René Hofmann einen
Raum geschaffen, in dem alle tanzen dürfen – unabhängig von Alter, Fitness oder Herkunft. Das Angebot
reicht von klassischem Ballett für Erwachsene über Lyrical Jazz und Musical Dance bis hin zu Sing, Dance & Shine (Karaoke-Tanzstunde). „Unsere Philosophie ist einfach: Wer sich bewegen will, ist willkommen“, so der Gründer. Diese Haltung spürt man im Studio: Es geht nicht um Perfektion, sondern um Teilhabe. Jede Bewegung zählt, jeder Ausdruck hat Platz. Gerade Menschen mit chronischen Erkrankungen, sozialen Ängsten oder Traumafolgestörungen erleben Tanzen als heilsamen Raum, in dem sie sich zeigen dürfen, ohne bewertet zu werden.

  • Tanz auf Rezept? In Ländern wie Großbritannien, Finnland oder Kanada ist Tanz längst Teil des sogenannten Social Prescribing, also der ärztlich verordneten Gesundheitsvorsorge durch kreative oder körperliche Aktivitäten. Auch in Österreich laufen erste Pilotprojekte. YouCanDance kämpft dafür, dass Tanz hierzulande „auf Krankenschein“ möglich wird. „Wir brauchen eine neue Bewegungskultur, die nicht auf Leistung, sondern auf Freude, Verbindung und Heilung setzt“, sagt Grosmann-Liao. Die Idee: Tanzen als integrativer Bestandteil einer ganzheitlichen Gesundheitsstrategie – präventiv, kostengünstig und mit breitem Wirkungsspektrum. Denn Tanz wirkt körperlich, psychisch und sozial. Eine Kombination, die gerade in der Gesundheitsprävention neue Maßstäbe setzen kann.

  • Bewegung, die verbindet. Tanzen bringt nicht nur den Kreislauf in Schwung, sondern auch Menschen
    zusammen. In einer Gruppe synchron zu tanzen, stärkt sowohl Muskulatur und Gleichgewichtssinn, als auch Empathie, nonverbale Kommunikation und das Gefühl, Teil von etwas zu sein. Es ist Teambuilding in Bewegung und Therapie auf Augenhöhe.

  • Medizin mit Musik. Ob zur Stressbewältigung, zur Gesundheitsvorsorge oder einfach aus Lebensfreude: Tanzen ist eine der natürlichsten Formen von Selbstfürsorge. Es braucht keine Vorkenntnisse, kostet nichts (zumindest daheim) und schenkt Energie, Leichtigkeit und Verbindung.
    Oder wie Wei-Ken Grosmann-Liao es sagt: „Tanz ist kein Selbstzweck. Er ist Haltung. Und eine wunderbare Möglichkeit, sich selbst neu zu begegnen.“

Lesen Sie auch: Tanzen ist pures Lebensgefühl

Teilen Sie diesen Beitrag

Österreichischer Kneippbund

Dem Österreichischen Kneippbund gehören heute mehr als 30.000 Mitglieder an, denen in rund 200 Kneipp Aktiv-Clubs ein vielfältiges Gesundheitsprogramm angeboten wird. Regelmäßig erscheint zudem die Kneipp-Zeitschrift – mit vielen praktischen Tipps für mehr Gesundheit im Alltag.

Wichtige Links

[su_menu name=”Footer S2 Shop Allgemein” class=”footer_menu”]

[su_menu name=”Footer S2 Rechtliches” class=”footer_menu”]

Kneipp Shop

[su_menu name=”Footer S3 Shop” class=”footer_menu”]

Kneipp Themen

[su_menu name=”Footer S4 Main” class=”footer_menu”]

[su_menu name=”Footer S4 Aktuelle Schwerpunkte” class=”footer_menu”]