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Cool bleiben trotz Hitze – Kneipp Tipps für heiße Tage

Das Kneipp-Programm mit seinen fünf Säulen Wasser, Heilkräuter, Ernährung, Bewegung und Lebensordnung bietet auch im Sommer einfache, alltagstaugliche Möglichkeiten, um den Organismus zu kühlen und das Wohlbefinden zu steigern.

Erfrischung durch Wasseranwendungen

Wasser ist das Herzstück in der Kneipp-Lehre. Richtig angewendet kann es den Kreislauf anregen, die Durchblutung fördern und angenehm erfrischen.

So können zum Beispiel der Knieguss, das Wassertreten und insbesondere das kalte Armbad, das ohne großen Aufwand und ganz rasch – etwa auch im Brunntrog beim Wandern oder im Waschbecken – durchzuführen ist, guttun:

Das kalte Armbad – der “Espresso der Kneipper”

So geht’s: Waschbecken oder Armwanne mit kaltem Wasser füllen, erst den rechten, dann den linken Arm eintauchen, die Arme im Wasser leicht bewegen, laut zählen, damit auf das Ausatmen nicht vergessen wird, danach Arme aus dem Wasser, Wasser nur abstreifen (nicht abtrocknen) und Arme kräftig bewegen, bis ein Wärmegefühl eintritt.

Wirkung:

  • Herz: schlagfrequenzsenkend, beruhigend
  • psychovegetativ: erfrischend, regt an, ohne aufzuregen

Nicht geeignet bei:

  • organischen Herzkrankheiten
  • Bluthochdruck
  • chronischen rheumatischen Erkrankungen

Aufgrund seiner anregenden und erfrischenden Wirkung wird das Armbad auch als „Kneipp’scher Espresso“ bezeichnet.
Armbad (c) Österreichischer Kneippbund

Der kalte Knieguss – ein Klassiker unter den Kneipp-Anwendungen

Er erfrischt zweifellos und wirkt – regelmäßig ausgeführt – nicht nur regulierend auf den Blutdruck, sondern fördert auch die Durchblutung der Rachenschleimhaut und eignet sich gut zur Abhärtung. Außerdem kann er u.a. bei gefäßbedingten Kopfschmerzen und Venenbeschwerden gute Dienste leisten.

So geht’s: Gegossen wird am besten mit einem Gießschlauch oder einem Gießrohr (gebundener Wasserstrahl), aber auch mit einer Gießkanne kann man sich behelfen. Hinten: Beginn an der rechten kleinen Zehe (herzfern), langsam an der Außenseite des Beines hinauf bis zur Kniekehle, dreimal über der Kniekehle hin und her, an der Innenseite des Beines hinab. Dasselbe am linken Bein wiederholen. Vorne: Beginn an der rechten kleinen Zehe, an der Außenseite des Beines hinauf bis Handbreit oberhalb des Knies, oberhalb des Knies dreimal hin und her, an der Innenseite des Beines hinunter. Dasselbe am linken Bein wiederholen. Zum Schluss die Fußsohlen begießen (erst rechts, dann links), das Wasser abstreifen und nur zwischen den Zehen gut abtrocknen, eventuell Wollsocken anziehen und Bewegung zur Wiedererwärmung durchführen.

Achtung: Nicht geeignet ist der kalte Knieguss bei arteriellen Durchblutungsstörungen der Beine.

Heilpflanzen als natürliche Unterstützung

Die Kneipp-Lehre setzt auch auf die Kraft der Pflanzen.

Bewährte Sommerhelfer sind vor allem:

  • Pfefferminze – kühlend und erfrischend
  • Lavendel – beruhigend, fördert Entspannung und Schlaf
  • Melisse – wohltuend bei Unruhe und Hitzestress
  • Salbei – kann bei übermäßigem Schwitzen unterstützend wirken und wird traditionell zur Regulation der Schweißbildung eingesetzt

Ein paar Tropfen Lavendelöl im Schlafzimmer oder ein kühlender Pfefferminzumschlag können an heißen Nächten sehr angenehm sein.

Lauwarm statt eiskalt trinken

Bei großer Hitze greifen viele automatisch zu eiskalten Getränken. Kurzfristig wirkt das erfrischend – langfristig muss der Körper jedoch mehr Energie aufwenden, um die Temperatur auszugleichen.

Nach Kneipp gilt:

  • regelmäßig trinken und auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten
  • ideal sind (Mineral-)Wasser, ungesüßte Früchte- oder Kräutertees oder stark verdünnte Fruchtsäfte
  • Getränke eher kühl bis lauwarm genießen

Besonders geeignet sind Kräutertees mit:

  • Pfefferminze
  • Melisse
  • Salbei (nicht während der Schwangerschaft!)
TIPP: Mit frischen Kräutern (z.B. Minze, Zitronenmelisse) oder einer Scheibe unbehandelter Zitrone oder Limette kann man das Wasser ganz einfach aufpeppen!
Bild von JuliaZolotova auf Pexels

Leichte Ernährung entlastet den Körper

Schwere, fettige Mahlzeiten belasten den Kreislauf zusätzlich. Im Sommer empfiehlt Kneipp eine leichte, frische und naturbelassene Ernährung.

Gute Sommergerichte:

  • Salate mit saisonalem Gemüse (z.B. ein fruchtiger Gurkensalat)
  • Obst mit hohem Wasseranteil (z.B. Wassermelone, Beeren)
  • Joghurt oder leichte Getreidegerichte
  • kleine Portionen über den Tag verteilt

Gurkensalat mit Weintrauben

Rezept von Michaela Hauptmann, TEM-Expertin

Ein schmackhafter, leichter Salat, nicht nur an heißen Tagen im Sommer ein Genuss!

Zutaten (2 Portionen)

  • 1 Handvoll Bittersalate oder Wildkräuter

  • 1/2 Salatgurke

  • 1 - 2 Stangen Stangensellerie

  • 100 g Weintrauben

  • Salz, Pfeffer

  • 1 TL Senf

  • 1 EL Holunderblütensirup

  • 2 EL Olivenöl

  • 1 EL Apfelessig

  • 1 EL geröstete Kürbiskerne

  • frischer Majoran

  • 2 EL Joghurt

Anweisungen

  • Salat in kleine Stückchen zupfen.
  • Gurke und Stangensellerie in Scheiben schneiden.
  • Weintrauben halbieren.
  • Restlichen Zutaten verrühren, alles vermischen und 5 - 10 Minuten ziehen lassen.
  • Mit Kürbiskernen und Majoran bestreuen und mit einem Klecks Joghurt servieren.

Bewegung zur richtigen Zeit

Auch bei Hitze bleibt Bewegung wichtig – entscheidend ist der richtige Zeitpunkt.

Empfohlen:

  • morgens
  • am späten Abend
  • im Schatten oder im Wald

Geeignete Aktivitäten sind zum Beispiel:

  • Spaziergänge
  • leichtes Radfahren
  • sanftes Dehnen
  • Yoga

Intensive Belastungen in der Mittagshitze sollten unbedingt vermieden werden!

Pausen und bewusste Erholung

Kneipp betonte, dass Gesundheit nicht nur aus Aktivität besteht, sondern auch aus Balance. Gerade an heißen Tagen braucht der Körper bewusste Ruhephasen.

Hilfreich sind:

  • kurze Pausen im Schatten
  • bewusstes Atmen
  • Mittagshitze meiden
  • ausreichend Schlaf

Wer auf die Signale seines Körpers hört, schützt sich besser vor Überlastung.

Fazit

Hitze muss nicht automatisch zur Belastung werden. Mit einfachen Kneipp-Anwendungen lässt sich der Sommer deutlich angenehmer gestalten. Wasseranwendungen, leichte Ernährung, Bewegung zur richtigen Zeit und gezielte Erholung helfen dabei, den Körper zu unterstützen und einen kühlen Kopf zu bewahren.

Ganz im Sinne von Sebastian Kneipp gilt: Kleine tägliche Rituale können einen großen Unterschied machen – besonders dann, wenn die Temperaturen steigen.

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