Effiziente Wiedererwärung

Traditionelles Wissen, zeitgemäße Anwendung

Wasser

Traditionelles Wissen, zeitgemä0ße Anwendung

Effiziente Wiedererwärmung

„Dagegen verordne ich strenge, dass der Angekleidete nach jeder Wasseranwendung sich, falls nicht Bettruhe vorgeschrieben ist, Bewegung mache (Arbeit oder Spazierengehen), welche so lange dauere, bis alle Teile des Körpers vollkommen trocken und normal warm sind.“

Sebastian Kneipp

aus „Meine Wasserkur“, Seite 30

Diese Ausgabe Kneipps beweist in aller Kürze und Deutlichkeit, dass die Anwendungen mit kaltem Wasser nicht zur Abkühlung oder als Rosskur für einige wenige Naturburschen gedacht waren. Nein, in Wahrheit geht es um die möglichst effiziente Wiedererwärmung des behandelten Körperareals. Ohne medizinisch-wissenschaftliche Vorbildung wusste Kneipp, dass die Wärme ein Lebensprinzip ist und gefördert werden muss. Heilungsvorgänge brauchen ein Mehr an Durchblutung und ein Mehr an Sauerstoff, damit das Gewebe optimal versorgt wird. Ausnahmen bilden hier nur die akuten Entzündungen, wo tatsächlich eine Kühlung und Dämpfung des Gewebsstoffwechsels erreicht werden soll.


 

Wir wissen heute ganz genau, welche Gegenmaßnahmen unser Temperaturregulationssystem ergreift, wenn ein Kältereiz den Körper trifft. Nach einer anfänglichen kurzen Engstellung erweitern sich die Blutgefäße, die das sauerstoffreiche Blut transportieren, und durch die Zunahme der Durchblutung erwärmt sich die entsprechende Region. Dies wird über ein kompliziertes Netzwerk von Nervenverbindungen gesteuert, welches mehrere Gehirnregionen verbindet und ähnlich funktioniert wie ein Thermostat bei einer Heizung. In unserer zivilisierten Welt ist dieses System allerdings etwas aus der Übung gekommen, da sich die meisten Menschen im Winter nur noch in geheizten Räumen aufhalten und warmes Wasser überall verfügbar ist. So birgt ein kühler Windhauch für viele schon die Gefahr einer „Erkältung“ oder eines Virusinfekts, weil die Wiedererwärmung zu lange dauert.


Regelmäßig wiederholte, kurze Kaltanwendungen trainieren dieses Regulationssystem – es lernt mit der Zeit, immer besser und schneller auf den Kältereiz zu antworten. Infektanfälligkeit lässt sich so wunderbar therapieren. Pfarrer Kneipp wusste natürlich, dass es Menschen gibt, denen es immer zu kalt ist, bei ihnen sollten eher Wechselanwendungen verordnet werden. Aber in jedem Fall ist das Ziel, die „Naturwärme“ des Behandelten zu kräftigen.


Dr. Regina Webersberger 

Ärztin für Allgemeinmedizin, Kneippärztin, TEM-Expertin

kneippmedizin@webersberger.at

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