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Ragweed trägt auch die Namen Ambrosia und Beifußblättriges Traubenkraut (Foto: bluecinema/Istockphoto.com).
Ragweed trägt auch die Namen Ambrosia und Beifußblättriges Traubenkraut (Foto: bluecinema/Istockphoto.com).

Achtung, Sommerallergien

Beide Pflanzenarten gehören zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und können von Mitte Juli bis Ende September teilweise starke allergische Reaktionen auslösen. Der Gewöhnliche Beifuß, auch bekannt als Wilder Wermut besitzt den wissenschaftlichen Namen Artemisia vulgaris. Weltweit beinhaltet die Gattung Artemisia etwa 350 Arten. Bekannte Kulturpflanzen aus dieser Gattung sind der Absinth (Artemisia absinthium), der Estragon (Artemisia dracunculus) und die Eberraute (Artemisia abrotanum), die auch unter dem Namen „Colakraut“ verkauft wird. In den letzten Jahren ist weiters der Einjährige Beifuß (Artemisia annua) sehr bekannt geworden. Diese Wermut-Art stammt aus West-Asien und wird dort seit Jahrhunderten zur Behandlung von Malaria eingesetzt.

Pollenflut

Für die Allergie-Szene von größter Bedeutung ist der Gewöhnliche Beifuß, der in den Tal- und Beckenlagen Österreichs weit verbreitet ist. Bevorzugt besiedelt der Gewöhnliche Beifuß Ruderalflächen und Wegränder – auf diesen Standorten ist er ein häufiger Bestandteil von Unkrautfluren. Als windbestäubende Pflanze kann er enorme Pollenmengen produzieren. Ebenso riesig ist sein Verbreitungspotenzial, so kann eine einzige große Pflanze bis zu 700.000 Früchte erzeugen! Ab Mitte Juli blüht der Beifuß. Die Pollenabgabe beginnt sehr früh um sechs Uhr und kann bis gegen Mittag anhalten. Ab etwa zehn Pollenkörner pro Kubikmeter Luft spricht man in der Allergologie von einer hohen gesundheitlichen Belastung. Die Intensität des Pollenfluges ist natürlich stark von Standortverhältnissen abhängig. Im Umfeld von Unkrautfluren kann die allergische Belastung um ein Vielfaches höher sein als in städtischen Siedlungsgebieten.

Neubürger aus Kamtschatka

Als Folge der immer wärmeren Sommer- und Herbsttage bekommt eine weitere Beifuß-Art eine zusätzliche Bedeutung als Lieferant von allergenen Pollen: Der Kamtschatka-Beifuß (Artemisia verlotiorum). Diese Wermut-Art ist ein Neubürger aus der Kamtschatka-Region und blüht um einige Wochen später als der Gewöhnliche Beifuß. Sein Blütenstaub kann mancherorts bis Ende Oktober noch für allergische Reaktionen verantwortlich sein. Zu bedenken ist auch, dass Anpflanzungen des Echten Wermuts und des Einjährigen Beifußes lokal beschränkt ebenfalls in der Lage sind, allergologisch relevante Pollenmengen abzugeben.

Gefürchtetes Ragweed

Das Beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) ist in Österreich unter vielen verschiedenen Namen bekannt. Neben der Bezeichnung „Traubenkraut“ werden häufig die Namen Ragweed, Ambrosia oder Beifuß-Ambrosie verwendet. Die Artbezeichnung artemisiifolia drückt aus, dass die Blätter von Ragweed eine Ähnlichkeit mit dem Gewöhnlichen Beifuß besitzen. Ein Blick auf die Blattunterseite zeigt aber sofort den Unterschied: Beim Beifuß ist die Blattunterseite graufilzig behaart, bei Ragweed ist sie frisch-grün.
Im Gegensatz zum Gemeinen Beifuß, bei dem der Stängel kahl ist, besitzt die Ambrosie einen leicht behaarten Stängel. Die Blätter des Beifußes entfalten beim Zerreiben einen aromatischen Geruch, der den Blättern der Ambrosie fehlt. Weiters ist die Ambrosie einjährig und lässt sich deshalb auch relativ leicht ausreißen, der Beifuß hingegen ist mehrjährig und besitzt ein ausgedehntes Wurzelsystem. Die Beifuß-Ambrosie alias Ragweed ist ein Neophyt aus Nordamerika, der im Jahr 1860 erstmals in Europa nachgewiesen wurde. Zu einer weit verbreiteten Problempflanze wurde die Ambrosie erst vor etwa 40 Jahren.

1 Milliarde Pollenkörner

Neben dem Beifuß ist die Ambrosie hauptverantwortlich für das Auslösen der Sommer-Pollenallergie. Als windblütige Pflanzen erzeugt jede einzelne Ragweed-Pflanze eine unglaublich hohe Pollenmenge. Schätzungen gehen davon aus, dass eine gut entwickelte Ambrosie bis zu einer Milliarde(!) Pollenkörner erzeugen kann. Die Pollenabgabe beginnt Mitte Juli und endet meist Ende September. Betrachtet man Ragweed genauer, sieht man, dass männliche und weibliche Blüten getrennt voneinander auf der gleichen Pflanze vorhanden sind. Das Beifußblättrige Traubenkraut ist also einhäusig getrenntgeschlechtig. Wie es für die Korbblütler typisch ist, sind die männlichen Blüten in einem Blütenstand vereinigt. Jeder männliche Blütenstand der Ambrosie, der wie ein kleines Schirmchen aussieht, enthält etwa zehn Blüten.

Die kleinen an Stielen hängenden Schirmchen können sehr gut den Pollen freisetzen. Die weiblichen Blütenkörbchen bestehen nur aus einer einzigen Blüte und befinden sich in Knäueln an der Basis des männlichen Blütenstandes oder in den Achseln der oberen Laubblätter. Während der Blütezeit kann man die zwei Narben erkennen, die aus der weiblichen Blüte herausragen. Zur Reifezeit fallen die Einzelfrüchte mitsamt den Körbchenhüllblättern ab. Die kleinen Hüllblätter bilden dornenartige Fortsätze, die bei der Ausbreitung hilfreich sind. Eine gut entwickelte Ambrosia-Pflanze kann bis zu 60.000 dieser kleinen Einzelfrüchte erzeugen. Im Boden bleiben die Früchte bis zu 40 Jahre keimfähig.

Nah und fern

In Österreich beginnt die Blüte der Beifuß-Ambrosie ab Mitte August und erstreckt sich dann bis in die Mitte des Monats September. Die höchsten Mengen des hochallergenen Pollens werden in den letzten zehn August- und in den ersten zehn September-Tagen abgegeben. Eine Allergie gegen Ragweed-Pollen kann schwerwiegend verlaufen und auch ein Pollenasthma auslösen. Sensibilisierte Personen können sogar beim bloßen Berühren der Pflanzen eine Kontaktdermatitis bekommen. Deshalb ist es wichtig, dass man beim Ausreißen von Ambrosia-Pflanzen immer Handschuhe trägt. Die Höhe der allergischen Belastung durch ihre Pollen hängt weiters stark von Standort-Faktoren ab. Ambrosia/Ragweed besiedelt mit Vorliebe die Randstreifen von Straßen und Autobahnen. Zunehmend dringt die Pflanze auch in Kulturen von Soja, Öl-Kürbis und Mais ein. Hier ist sie in der Lage, Massenbestände zu bilden und kann dadurch neben ihrer Bedeutung als Lieferant von allergenen Pollen auch ein bedeutendes Schad-Unkraut sein.

Ragweed beginnt sehr früh am Morgen mit der Pollenfreisetzung: Bereits ab sechs Uhr können im Umfeld von Ambrosia-Beständen große Pollenmengen freigesetzt werden. Ab den mittleren Vormittagsstunden gelangen die Ambrosia-Pollen auch in städtische Siedlungsgebiete und können dann selbst hier, weit entfernt von den Ambrosia-Beständen, für allergische Beschwerden verantwortlich sein. Bei einer vermuteten Allergie gegen den Pollen des Beifußes und der Beifuß-Ambrosie (Ragweed) sollte unbedingt eine medizinische Abklärung erfolgen. Mit Hilfe des „Prick-Tests“ kann eindeutig abgeklärt werden, ob eine Pollenallergie besteht. Gegen diese Allergie gibt es heute bereits gut wirkende Medikamente, und eventuell wird die Ärztin oder der Arzt auch eine Desensibilisierung vorschlagen. Zusätzlich kann man durch ein angepasstes Freizeit-Verhalten den Stunden einer sehr hohen Pollenbelastung ausweichen.

Wussten Sie, dass…
…Sommerallergien in Österreich aufgrund des Klimawandels zunehmen?

Wärmere Temperaturen und längere Vegetationsperioden führen dazu, dass Pflanzen wie Gewöhnlicher Beifuß und Ambrosia/Ragweed länger und intensiver blühen. Dadurch steigt die Pollenanzahl in der Luft, was Allergiker stärker belastet als noch vor einigen Jahrzehnten.

Lesen Sie auch das Interview: „Allergien sind relativ gut behandelbar“

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